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Wie geduldig ist doch Gott mit seinen Menschen

Letzte Woche vor den Sommerferien - nicht nur in den Lehrerzimmern, im Supermarkt und im Kindergarten wirken viele Menschen, auf die ich in diesen Tagen treffe, gestresst und urlaubsreif. Das Wetter, die vielen Termine - beruflich oder privat - zerren an den Nerven. Ich muss da immer wieder an meine Viertklässler und unser Theaterprojekt zum Buch Jona im Alten Testament denken.
Jona ist Prophet. Er bekommt einen Auftrag von Gott: "Geh nach Ninive und sag den Menschen dort, dass sie sich ändern sollen!" Doch Jona will nicht. "Wieso ich?" denkt Jona vielleicht und beschließt der Aufgabe aus dem Weg zu gehen und vor Gott wegzulaufen. Wer die Geschichte kennt, der weiß, dass Jonas Plan nicht aufgeht - Gott findet Jona und schließlich macht Jona doch, was Gott von ihm fordert. Nur dass Gott sich nicht so verhält, wie Jona es für richtig empfindet. Die Menschen in Ninive sind schlecht und Jona ist der Meinung, dass Ninive zerstört werden soll. Gott sieht das anders. Jona klagt Gott deswegen an und schimpft: "Ich hab's mir ja gleich gedacht. Du lässt dich immer wieder überreden: Statt die Stadt zu zerstören verschonst du die Menschen! Das ist so ungerecht!"
Ich überlege mit den Kindern, wie sie Gott in der Geschichte wahrnehmen? Ist Gott ungerecht?
Für die Schüler ist klar: Die Schlussszene ist der Schlüssel. Gott lässt für Jona eine Pflanze wachsen und sie dann verdorren. Wieder ist Jona sauer und schimpft mit Gott: "Wieso schenkst du mir die Pflanze, wenn du sie doch wieder kaputt machst?"
Da sagt Gott zu Jona: "Wie, Jona? Dir tut die Pflanze leid, weil sie verdorrt ist? Aber mit den Menschen in Ninive hast du kein Mitleid? Kannst du zusehen, wie sie sterben? Ich kann das nicht!"
Da schweigt Jona und denkt: "Wie geduldig ist doch Gott mit seinen Menschen und sogar mit mir!"
Und so wünsche ich uns allen, dass wir nicht nur in diesen Wochen mit Geduld aufeinander schauen. Denn nicht nur Jona sondern auch wir sind gemeint: Wie geduldig ist doch Gott mit seinen Menschen! Da können wir doch auch ein bisschen geduldiger mit uns und unseren Mitmenschen sein!

Mit herzlichen Grüßen,
Ihre Pfarrerin Ann-Kathrin Peters

Hier schreiben die katholischen und evangelischen Seelsorgerinnen und Seelsorger in Rheinstetten wöchentlich im Wechsel.
Das Bild zeigt v.l.n.r.: Pfarrer Gerd Ziegler, Pastoralreferent Markus Müller, Pfarrerin Ann-Kathrin Peters, Gemeindereferent Sebastian Kraft, Pfarrer Reinhart Fritz und Pastoralreferent Thomas Eckerle.
Das Wort für die Woche finden Sie auch in Rheinstetten Aktuell.