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Palmsonntag oder zweiter Passionssonntag - Einzug Jesu in Jerusalem
Jesus geht mit seinen Freunden zum Paschafest nach Jerusalem. Da feiern gläubige Juden bis heute die Befreiung des Volkes Israel aus der Unterdrückung in Ägypten. Vieles deutet darauf hin, dass Jesus sich diesen Schritt gut überlegt hat. Er ist wohl nach harten Auseinandersetzungen mit Schriftgelehrten und Pharisäern zum Schluss gekommen, dass eine Entscheidung nicht zu umgehen war. Und er war bereit, seinen Weg zu Ende zu gehen, für seine Sendung und Aufgabe notfalls zu sterben. Auch unter seinen Freunden muss es Diskussionen gegeben haben, ob dieser Schritt richtig sei, wie eine Aussage von Thomas zeigt: "Ja, lasst uns gehen, um mit ihm zu sterben!"
Dieses Jahr wird in den katholischen Gottesdiensten die entsprechende Erzählung aus dem Lukasevangelium vorgetragen, vom Einzug in Jerusalem über das Abendmahl, Gefangennahme, Verurteilung und Tod. Es ist eine Ouvertüre des Geschehens auf Ostern hin, in dem die ganze Dramatik eröffnet wird. Dadurch lädt dieser Gottesdienst ein, bei sich selbst zu schauen, wo war oder bin ich ganz angegangen von einer Frage, einem Thema, einer Aufgabe, einer Not? Und vielleicht habe ich da Zustimmung und Unterstützung erfahren ebenso wie harte Abgrenzung und Ablehnung. Manchmal gehören auch Erfahrungen wie Verrat, Übervorteilung oder wirklich Ausgegrenztwerden dazu, völlig hilflos zu werden oder gewesen zu sein. Der Weg Jesu bis in den Tod und durch diesen hindurch will Kraft und Hoffnung geben, dass auch diese Lebenswegstücke von Gott umfangen sind und das Erfolglose, die Verletzung oder auch Einsamkeit und Unverständnis, nicht das letzte Wort bedeuten.
Dass Sie und ich, in den wirklich wichtigen Lebensentscheidungen dies immer wieder erfahren, das erbitte ich als Segen vom Gott Jesu Christi, der genau diese dunklen Stunden durchleben wollte, um uns Menschen darin nahe sein zu können.
Shalom, Thomas Eckerle, Pastoralreferent

Wer im Glashaus sitzt..
...soll nicht mit Steinen werfen!", sagt man. Eine Alltagsweisheit, ganz aus dem Leben gegriffen - oder aus dem Neuen Testament der Bibel, aus dem Johannesevangelium (Kap. 8, Verse 3-11): Da wird nämlich erzählt (und die katholischen Christen hören das am kommenden Sonntag im Gottesdienst), wie Jesus mit einer "Sünderin" umgeht, die vor ihn gezerrt wird. Die Frau ist in flagranti beim Ehebruch erwischt worden und damit - laut Gesetzt - ein klarer Fall für die Steinigung. Was der gute Jesus wohl hierzu sagen wird?, fragen sich die damaligen religiösen Führungspersönlichkeiten...
Mit was sie nicht gerechnet haben: Jesus dreht den Spieß um. "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.", sagt er. Die Steinigung soll ruhig stattfinden, wie sie vom Gesetz vorgesehen ist - sofern sich jemand findet, der das 'Recht' hat, Steine zu werfen. Und das wäre jemand, der voller Überzeugung von sich sagen könnte: "Ich habe noch nie irgendetwas falsch gemacht!" Aber damit hat Jesus voll ins Schwarze getroffen, wie die Reaktion der Umstehenden zeigt: Alle gehen nach und nach beschämt weg, weil jede und jeder eingestehen muss, so etwas Dreistes nicht behaupten zu können.
Die eigentliche frohe Botschaft dieser Geschichte ist aber das Verhalten dessen, der mit Fug und Recht einen Stein nehmen und auf die Frau hätte werfen dürfen, nämlich Jesus selbst. "Ich verurteile dich nicht.", sagt er, und lässt die Steine liegen! Damit stellt er die göttliche Barmherzigkeit weit über jedes Gesetz, so als wolle er klar machen: Die Würde des Menschen ist tatsächlich unantastbar - selbst wenn dieser sich schuldig gemacht hat.
Im Alltag bin ich immer wieder schnell dabei, verurteilende 'Steine' auf andere zu werfen: Da verhält sich ein Autofahrer vor mir nicht vorschriftsmäßig und behindert mich dadurch; da tut eine Mitarbeiterin nicht, was sie zugesagt hatte; da merke ich, dass mich jemand ausgenutzt hat; da hat doch der Nachbar wieder... Und während ich innerlich hochkoche und die vermeintlich so gerechtfertigten Steine parat mache, spüre ich, wie Jesus mir auf die Schulter tippt und mich anschaut, als wolle er sagen: "Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen."
Reinhart Fritz, Pfarrer

Wie lange noch?
Diese Frage erinnert mich an meine Kindheit. Denn damals habe ich diese Frage gerne oft dann gestellt, wenn ein Weg mühsam war, die Motivation sank oder man es nicht erwarten konnte, am Ziel anzukommen. Im Gleichnis vom barmherzigen Vater (Lukasevangelium Kapitel 15, Vers 1-32) wird diese Frage ausdrücklich nicht gestellt. Dennoch scheint sie mir sehr spannend.
Denn wie lange eine Wegstrecke ist, hängt nicht allein von den Kilometern ab, die zurückgelegt werden müssen. Motivation, die eigene Energie, als auch Herausforderungen können die Länge der Wegstrecke ganz subjektiv prägen. Die objektive Zeit oder Kilometerzahl mag immer die gleiche sein; die subjektive - also ganz persönliche - Wahrnehmung der Wegzeit hängt von mehr ab.
Der Weg, den der Sohn im Gleichnis Jesu zurücklegt, um sich bei seinem Vater zu entschuldigen und ihn um Unterstützung in seiner Not zu bitten, mag objektiv nur eine gewisse Zeit gedauert haben. Für ihn persönlich war der Weg mit Sicherheit jedoch ziemlich lang und beschwerlich.
Auch unsere Wege zur Versöhnung können manchmal sehr lange dauern und sehr beschwerlich sein.
Die Frage ist dann doch nicht nur die, wie lange es ist, bis wir ankommen, sondern die, ob wir nicht lieber aufgeben. Im Gleichnis Jesu wird der Sohn nicht nur Unterstützung finden. Er bekommt mehr als erwartet, mehr als kalkuliert: Er bekommt die volle Liebe seines Vaters mit allen positiven Konsequenzen zu spüren.
Vielleicht kann uns dieses Gleichnis dazu motivieren, auf unseren kurzen oder langen Wegen der Versöhnung nicht zu resignieren und zu verzagen. Vielleicht macht uns dieses Gleichnis Mut, dass wahre Versöhnung wirklich möglich ist und sogar mehr erbringt, als wir vorher denken und erwarten. Vertrauen wir darauf, dass wir immer wieder, wenn wir wirklich umkehren und uns bessern, Menschen finden, die uns mit offenen Armen begegnen. Und lassen wir uns von dem barmherzigen Vater inspirieren, ebenso Versöhnung zu ermöglichen. Denn Versöhnung und Erbarmen tun gut und sind immer wieder notwendig.
Viel Kraft und Ausdauer für unsere Wege der Versöhnung wünscht Ihnen,
Sebastian Kraft, Gemeindereferent

Vom unfruchtbaren Feigenbaum
Das Evangelium vom kommenden Sonntag - das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum (Lukasevangelium 13,6-9) - ist mir gerade sehr präsent, und zwar in eigener Sache! In unserem Garten vor dem Haus steht ein eben solcher und fordert meine Langmut in gehörigem Maße heraus. Jedes Jahr wächst er ein Stück höher und in die Breite und verdrängt alles andere - Früchte jedoch trägt er keine. Ich spüre bereits einigen Unmut in mir hochsteigen, möchte die Reißleine ziehen und diesen undankbaren Kerl aus dem Garten reißen. Doch halt - sage ich mir, geht es Gott nicht oft ähnlich mit uns? "Drei Jahre habe ich gewartet, aber noch nie hing an dem Baum auch nur eine einzige Feige. Hau ihn um! Er nimmt nur Platz weg!" sagt der Gartenbesitzer. Doch der Gärtner bittet für den undankbaren Tropf: "Lass ihn noch ein Jahr stehen. Ich will diesen Baum gut düngen und sorgfältig pflegen. Vielleicht..." Ich frage mich, ob Jesus des Öfteren bei Gott für mich auch ein solch gutes Wort einlegt?
Aber: Bemerke ich seine Stärkung und pflegende Zuwendung, sein "Düngen" überhaupt? Hat sein Wort, seine Zuwendung denn die Möglichkeit, zu mir durchzudringen? Vielleicht bietet die aktuelle Fastenzeit ja die eine oder andere Möglichkeit dazu. Und vielleicht vermag ich dann auch Früchte zu bringen - eventuell nur anfanghaft, und wahrscheinlich eher kleine, kümmerliche, aber immerhin! Achtung: Jesus warnt uns, dass Gott es wirklich ernst mit uns meint, wenn er den Gartenbesitzer sagen lässt: "...trägt er im nächsten Jahr keine Früchte, dann werde ich ihn umhauen!" Nichtstun hat Konsequenzen - nicht nur, aber auch im Blick auf unsere Umwelt, wie uns die Jugendlichen aktuell freitags demonstrieren. Es braucht echte, ernst gemeinte Umkehr - wir sollten die Chance dazu nicht verpassen oder ungenutzt verstreichen lassen. Ob uns dazu etwas einfallen wird? Der Misereor-Marsch am 31.03. von St. Ulrich nach St. Ursula für die Menschen in El Salvador wäre z. B. eine gute Gelegenheit...
Eine nachdenkliche Umkehr-Woche wünscht Ihnen
Markus Müller, Pastoralreferent

Der Augenblick soll bleiben - die Verklärung Jesu
Meisterhaft sind im Lukasevangelium (9,28ff. - in der kath. Kirche Text am 2. Fastensonntag) Urbilder der sich nach Glück sehnenden menschlichen Seele verknüpft. Vielleicht können Sie sich gerade etwas Zeit nehmen, diese zu meditieren oder Sie gönnen sich später eine Auszeit für:
Der Berg: Hinausgehobensein über die Niederungen der Alltagssorgen.
Das Angesicht: was verändert sich nicht alles, wenn ein annehmender Blick uns begegnet.
Das Gewand: es ist strahlend weiß, wie ein Hochzeitskleid.
Die Hütte: eine Stätte der Geborgenheit und des Schutzes.
Die Wolke: sie zieht den Blick zum Himmel und sie verhüllt, ist Zeichen für die große Hoffnung wie für Ängste.
Die Stimme: beim Namen gerufen werden, einem liebevollen Du begegnen.
Das Licht: das alles umfassende Urzeichen für das Leben.
Auch abgesehen von den Anspielungen auf die Heilsgeschichte (Mose und Elija) im Ersten Testament laden diese Urbilder ein, dem Festhalten-Wollen des glücklichen Augenblicks nachzuspüren. Und inmitten des noch vor einem liegenden Weges - vielleicht durch Krisen des Leidens hindurch - achtsam den An- wie Zuspruch Gottes wahrzunehmen. Gute Erinnerungen, neue Gedanken, existentielle Fragen und in all dem die Zusage Gottes, dass er alle unsere Lebenswege mit uns geht, wünsche ich Ihnen für diese Woche.
Shalom Thomas Eckerle, Pastoralreferent

Fastenzeit - Sieben Wochen "ohne" und "mit"
Mit dem Aschermittwoch hat sie begonnen: Die Fastenzeit. In Anlehnung an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste gefastet hat (Matthäusevangelium 4,2) wurde in der Kirche eine 40-tägige Fastenzeit vor dem Osterfest eingeführt. Da die sechs Sonntage dabei ausgenommen wurden, beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch genau 46 Tage vor Ostern. In der Fastenzeit wurde bewusst auf den Verzehr von Genussmitteln und Fleisch und auf das Feiern von Festen verzichtet. Dies geschah um sich auf das Leiden von Jesus Christus mit und für uns Menschen zu konzentrieren, von falschen Verhaltensweisen umzukehren ("Buße") und sich damit auf das Fest der Auferstehung von Jesus aus den Toten an Ostern vorzubereiten.
Manches davon wird in modernen Fastenaktionen aufgenommen. "Lohnender Verzicht" zum Beispiel bei der Fastenaktion "7 Wochen Ohne" (www.7-wochen-ohne.de) oder dem "Klimafasten" (www.klimafasten.de), bei dem es um Verzicht zugunsten der Reduzierung des CO2-Ausstoßes geht. Manche nutzen die Fastenzeit auch um auf liebgewordenes wie Fernsehkonsum, Süßigkeiten oder Alkohol zu verzichten, um sie anschließend wieder bewusster zu genießen. Und manche spenden das dafür eingesparte Geld auch noch für einen guten Zweck. Das alles finde ich vorbildlich.
Besonders angesprochen hat mich allerdings die Fastenaktion "7 Wochen mit" (www.7Wochen.de), denn hier wird nicht nur sieben Wochenlang auf etwas verzichtet. "7 Wochen mit" will anleiten "innezuhalten und der Besinnung auf das Leiden und Sterben Jesu Christi mit der Bedeutung für das menschliche Leben Raum zu geben." Dazu wird Material zur Verfügung gestellt, das auch in gedruckter Form kostenlos bestellt werden kann (afg@afg-selk.de). Gerade weil uns das Leiden und Sterben des Gottessohns oft so fremd erscheint, es schwierig zu verstehen ist und wir Schwierigkeit haben, es mit unserem eigenen Leben (und Leiden) in Beziehung zu bringen, finde ich es lohnenswert, sich gerade dafür Zeit zu nehmen darüber nachzudenken. Solches Nachdenken kann unserem Leben mehr Tiefgang bringen. Darum lade ich Sie ein, die 40 Tage vor Ostern als "Sieben Wochen "ohne" und "mit" zu begehen und damit ihre eigenen Erfahrungen zu machen!
Übrigens finden Sie in der Fastenzeit auch wieder "Forchheimer Fastengedanken auf der Homepage unserer Pfarrgemeinde! (www.kirche-in-forchheim.de)
Gerd Ziegler, Pfarrer

Leben und leben lassen
Die "fünfte Jahreszeit" ist auch in diesem Jahr wieder ein Testfall für die Toleranz unter uns Menschen. Denn Fasching, Fastnacht oder Karneval sind nicht jedermanns/-fraus Sache, und auch nicht jeder Faschingsmuffel kann die nächsten Tage einfach mal verschwinden, um dem Trubel zu entgehen. Und die Hardcore-Fans der Narretei wollen die tollen Tage natürlich ausgiebig für Humor und Lebensfreude, Schabernack und Party nutzen. Passt kaum zusammen - oder doch?
Friedlich-schiedlich werden die Faschingstage nur vorüber gehen, wenn auf beiden Seiten eine gehörige Portion Toleranz zum Zuge kommt - und weder die einen noch die anderen so auftreten, als sei ihre Meinung die allein Seligmachende.
Aktive Fastnachter werden also bei ihren Umzügen und Feiern nie ganz aus dem Blick verlieren, dass es eben auch Menschen gibt, die (derzeit) nichts mit dieser Art der Lebensfreude anfangen können, z.B. weil sie trauern, krank oder gebrechlich (und damit oft auch überempfindlich) sind, arbeiten müssen oder einfach keine Lust darauf haben. Sie werden sich daher an geltende Regeln halten, was Geräuschpegel und Ruhezeiten angeht, um ihre Mitmenschen nicht über Gebühr zu malträtieren - denn sie verstehen, dass das für die Einen Lustige und Tolle von den Anderen bisweilen als Belästigung und Missachtung empfunden wird.
Die Faschingsmuffel wiederum werden versuchen, dem jährlichen Ausnahmezustand rund um Fastnacht mit gelassener Größe und angemessener Geduld zu begegnen. Sie werden ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, dass für manche Menschen das alljährliche vorübergehende Über-die-Stränge-schlagen wichtig ist, und dass in vielen Bräuchen die Freude am Leben und die Hoffnung auf den Frühling zum Ausdruck kommen will. Sie werden einkalkulieren, dass es jedes Jahr neu auch Leute geben wird, die sich mit dem rechten Maß (beim Alkohol... beim Lärm... beim Schabernack...) noch schwer tun.
"Des einen Freud - des andern Leid", sagt der Volksmund, und das gilt auch an Fastnacht. Solange die einen sich wenigstens bemühen, die anderen ein wenig zu verstehen (und umgekehrt!), kommen wir einigermaßen gut aus der Sache raus - ganz nach dem Motto: "Leben und leben lassen!"

Viel Spaß und Freude bzw. viel Geduld und Durchhaltevermögen (je nachdem) wünscht
Reinhart Fritz, Pfarrer

"Schon in der Bibel steht geschrieben, du sollst auch deine Feinde lieben!"
Dieser letzte Teil eines Trinkspruches, bezieht sich tatsächlich auf eine echte Bibelstelle und am Sonntag wird sie auch in den katholischen Gottesdiensten zu hören sein.
Seinen Nächsten lieben, wie sich selbst - eine Herausforderung. Den Feind zu lieben - viele würden sagen: Unmöglich!
Und vielleicht bleiben viele an diesem Unmöglich stehen. Schade!
Denn wenn man genauer hinschaut und versucht etwas davon zu leben, kann und wird unsere Welt ein wenig besser für uns alle.
Mit dem Evangelium ist im ersten nicht gemeint sich alles gefallen zu lassen oder sich schlecht behandeln zu lassen. Nein, das Evangelium (gemeint ist das Evangelium nach Lukas Kapitel 6, Vers 27-38) beschreibt eine grundsätzliche Verhaltensweise, die wir versuchen sollen, welche wir von Gott nachahmen sollen.
Das Evangelium beschreibt auch ein neues Verhalten. Es soll, so Jesus im Evangelium, nicht mehr gelten "Auge für Auge, Zahn für Zahn", wie es üblich war. Jesus möchte, dass sich unser Miteinander zum Guten wendet. Wenn jeder nur auf Ausgleich fixiert ist, funktioniert das nur sehr begrenzt. Wenn in einem Streit einer dem anderen ein böses Wort an den Kopf wirft und es mit gleicher Münze heimgezahlt wird, ist der Konflikt damit sicherlich nicht gelöst.
Schon an diesem einfachen Beispiel zeigt sich: Ohne Großzügigkeit, ohne dass wir einen Schritt auf den anderen zugehen und dabei etwas riskieren, ohne Liebe, die nicht auch die Unvollkommenheit mit einschließt, wird unser Miteinander nicht reicher, nicht besser.
Ich wünsche uns für die kommende Woche, dass uns dies im Kleinen und vielleicht auch im Großen gelingt! Ich wünsche uns, dass wir dieses Verhalten auch immer wieder erfahren dürfen. Es tut gut wenn der Andere einen Schritt auf einen zugeht! Doch wenn jeder das vom Anderen erwartet, ist es noch nicht getan. Also, probieren wir es doch aus!
Sebastian Kraft, Gemeindereferent

Dankbares Erinnern - Gedenken
Ein Nachtrag zur Erinnerungskultur, die in den vergangenen Tagen viel Bedenkenswertes in der Öffentlichkeit angeboten hat. Ein Sonntagmorgengebet der 30-jährigen holländischen Jüdin Etty Hillesum in der Zeit täglicher Deportationen nach Auschwitz:
"Es sind schlimme Zeiten, mein Gott. Heute Nacht geschah es zum ersten mal, dass ich mit brennenden Augen schlaflos im Dunkeln lag und viele Bilder menschlichen Leidens an mir vorbeizogen. Ich verspreche dir etwas, Gott, nur eine Kleinigkeit: ich will meine Sorgen um die Zukunft nicht als beschwerende Gewichte an den jeweiligen Tag hängen, aber dazu braucht man eine gewisse Übung. Jeder Tag ist für sich selbst genug. Ich will dir helfen, Gott, dass du mich nicht verlässt, aber ich kann mich von vornherein für nichts verbürgen. Nur dies eine wird mir immer deutlicher: dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen, und dadurch helfen wir uns letzten Endes selbst. Es ist das einzige, auf das es ankommt: ein Stück von dir in uns selbst zu retten, Gott. Und vielleicht können wir mithelfen, dich in den gequälten Herzen der anderen Menschen auferstehen zu lassen."
Dankbar für dieses Zeugnis menschlichen Zutrauens in Gott nehme ich den Verlust wahr, den die Naziherrschaft geschaffen hat und hoffe, dass diese Wahrnehmung immunisiert gegen alle Verharmlosungen und Umdeutungen. Ihnen allen wünsche ich, dass Sie aus dem Gebet Kraft und Mut ziehen können zum Zeugnis gegen altes und neues rechtes Gedankengut und in allen großen Sorgen und Nöten für Sie selbst.
Shalom, Thomas Eckerle, Pastoralreferent
Aus: Das denkende Herz. Die Tagebücher von Etty Hillesum 1941-1943. Hrsg: J.G.Gaarlandt 1983.

Gottes Segen
zum Geburtstag und an kirchlichen Feiertagen wünschen wir einander "Gottes Segen" oder z.B. "ein gesegnetes Weihnachtsfest". Manche wünschen einander auch "ein gesegnetes neues Jahr" oder beim Abschied "eine gesegnete Zeit". Doch was ist das überhaupt "Segen"? Was wünschen wir einander mit diesem Wort? Es gibt ja so manche Worte, die wir zwar gebrauchen, aber von denen wir nur eine vage Vorstellung haben, was sie bedeuten. Für viele Menschen ist das Wort "Segen" solch ein Wort.
Beim Nachforschen habe ich folgende Erklärung gefunden: "Segen ist die Kraft von Gott, die bewirkt, dass etwas in einem geschützten Raum wächst und gedeiht." Wenn wir also einander Segen wünschen, dann bedeutet das, es möge in jedem von uns etwas wachsen, etwas Schönes, etwas, das uns gut tut und beglückt, so dass aus uns mehr wird, als wir vorher waren. Und es bedeutet, es möge durch uns und unsere Bemühung etwas wachsen und reifen für andere Menschen, etwas, das ihnen gut tut.
Gottes Segen lässt in uns und zwischen uns die Liebe wachsen, den Glauben und die Hoffnung. Darum ist dieser Segen so wertvoll. Er ist mehr als "viel Glück" oder "alles Gute", das wir sonst vielleicht noch einander wünschen. Denn Gottes Segen kann selbst Krankheitstage und manche Einschränkungen, die wir erleben müssen, zum Guten für uns wenden: Dass Glaube, Hoffnung, Liebe in uns wachsen und mit ihnen der Friede und die Zufriedenheit.
Um diesen Segen dürfen wir Gott bitten. Diesen Segen dürfen wir einander wünschen. Und er wird uns am Ende jedes Gottesdienstes zugesprochen - schon allein deshalb lohnt es sich, den Gottesdienst zu besuchen.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche!
Gerd Ziegler, Pfarrer

Gliederschmerzen
Der Apostel Paulus schreibt im 1. Korintherbrief von der christlichen Gemeinde im Bild des Leibes: "Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen." (1 Kor 12,13) Folgerichtig schließt er, die Christen müssten sich auch wie ein Leib verhalten, der ja aus vielen verschiedenen Gliedern besteht, die aber alle etwas miteinander zu tun haben: "Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit." (1 Kor 12,26)
Das kennen wir nur zu gut aus unserer eigenen Erfahrung: Wenn ich mir in den Finger schneide beeinträchtigt dies nicht nur dieses eine Körperteil, sodass es den anderen 'egal' sein könnte; es betrifft meinen ganzen Körper. Und wenn die Nasennebenhöhlen wegen Erkältung verstopft sind können die Füße zwar noch gehen, aber 'wurscht' ist ihnen die Erkrankung an anderer Stelle auch nicht, und das Gehen kann schnell mal schwer fallen. Und selbst (psychische) Beeinträchtigungen der Seele, welche ja gar nicht Teil unseres Körpers (wohl aber unseres Leibes!) ist, können sich körperlich (physisch) bemerkbar machen, was man uns bisweilen sogar deutlich ansieht.
Ob das von Paulus gewählte Bild für unsere (inzwischen ja wesentlich größeren und unübersichtlichen) Gemeinden tatsächlich (noch) stimmig ist, sei mal dahingestellt: Ist es wirklich so, dass wir auch (mit)leiden, wenn jemand anderes eine Krankheit oder eine Sorge hat? Freuen wir uns denn mit, wenn jemand anderes eine Ehrung oder ein Lob bekommt oder sonst einen Anlass zur Freude hat? Interessiert es uns, was andere beschäftigt, bekümmert und umtreibt?
In unserem Körper ist auf geradezu wunderbare Weise geregelt, dass tatsächlich alle Glieder irgendwie mitbekommen, was sich an anderer Stelle des Leibes tut, positiv wie negativ. Für unsere Gemeinden bleibt es eine dauernde Herausforderung, spürbar und erlebbar umzusetzen, was Paulus in dem einen Satz zusammenfasst: "Ihr seid der Leib Christi, und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm." (1 Kor 12,27)
Reinhart Fritz, Pfarrer

Vom Regen in die Traufe!
...ist ein Sprichwort, welches wir oft verwenden. Wenn es regnet dann ergießt sich der Regen in die Dachrinne von dort aus nimmt das Regenwasser seinen gesammelten Lauf in die Traufe, welche das Regenwasser nach unten abgibt. Steht man unter einer Traufe, bekommt man dieses gesammelte Regenwasser ab. Das Sprachbild "vom Regen in die Traufe" drückt aus, dass eine Situation schlimmer eintritt als zuvor erwartet. Für viele ist das gefühlt gerade so, denn nach den Feiertagen geht es in die zweite Arbeits- oder Schulwoche und da kann es schon mal sein, dass einem öfters dieses Sprichwort über die Lippen geht. Doch genau in diesen Situationen kann man auch denken oder sagen: "vom Regen in die Taufe". Denn Alltag und Krisenzeit sind genau die Zeiten, in denen die Zusage der Taufe spürbar werden soll. In der Taufe verspricht uns Gott, dass er uns liebt und uns immer beisteht. Er sagt uns zu, dass wir in seinen Augen einzigartig, teuer und wertvoll sind. Vielleicht kein Zufall, dass mit dem Fest Taufe des Herrn, welches die kath. Kirche vergangenen Sonntag feierte, die offizielle Weihnachtsfestzeit zu Ende geht und auch der "Kirchenalltag" beginnt. Für die anstehende Woche sind in diesem Zusammenhang folgende Impulsfragen vielleicht ganz interessant für Sie:
Lasse ich den liebenden Blick auf mich und meine Eigenheiten und Talente zu?
Wo begegnet mir jemand, im Namen Gottes (bewusst oder unbewusst), mit einem liebevollen und wertschätzenden Blick?
Könnte ich diesen nicht auch manches Mal annehmen?
Denken Wir daran Gott schätzt uns, auch dann wenn wir denken, dass wir vom "Regen in die Traufe" kommen und womöglich noch selber daran Schuld sind. Ich wünsche uns, dass wir diese Wertschätzung und Zuneigung uns selbst immer wieder zusprechen und dann auch weitergeben können, damit es für uns und andere heißt: "Vom Regen in die Taufe"!
Das wünscht Ihnen,
Gemeindereferent Sebastian Kraft

Suche Frieden und jage ihm nach!
Frieden - ein großes Wort. Die Sehnsucht nach Frieden - nahezu allgegenwärtig in einer Welt voller Unfrieden, Hass, Streit, Ungerechtigkeit und Krieg.
Bürgerkrieg in Syrien, Unruhen zwischen den USA und Nordkorea und Europa selbst droht in den Mühlen von Populismus und Nationalismus zermahlen zu werden. Der Terrorismus jedweder Couleur schwebt, wie ein Damoklesschwert über unserem Alltag - oft verdrängt und ignoriert, weil es sich anders kaum leben lässt und doch immer präsent in unvorhersehbaren, explosiven Augenblicken.
Die christlichen Kirchen stellen jedes Jahr unter ein Bibelwort. Die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation spielt dabei keine Rolle, weil die Auswahl stets vier Jahre im Voraus stattfindet. Das Bibelwort für 2019 lautet "Suche Frieden und jage ihm nach!" (Psalm 34)
Die Bibel versteht Frieden als eine Gottesgabe. Bereits in den ersten Kapiteln der Bibel wird deutlich, wie realistisch sie die Fähigkeit des Menschen zum Frieden einschätzt. Der erste Streit der Menschheit endet in einem Brudermord (1.Mose 4), das Hochhinauswollen der Menschen führt zur Verwirrung und dem Verlust des Gegenseitigen Verstehens (1. Mose 11) und selbst das in der Schöpfungserzählung noch göttlich austarierte friedliche Miteinander von Mensch und Tier ist nach der großen Flut dahin (1. Mose 1 und 9). Frieden lässt sich nach der Bibel nur auf Recht und Gerechtigkeit aufbauen. In Psalm 34 ist der Begriff Frieden eng gebunden an das Halten des Wortes Gottes. Der Mensch soll sich nicht nur böser Worte enthalten, sondern überhaupt und konsequent vom Bösen ablassen und Gutes tun. Für den Beter des Psalms ist die Trennlinie zwischen Gut und Böse die Ausrichtung des Lebens an Gottes Wort.
Für mich bedeutet dies: die Bibel weist mich auf Gottes Gabe zum Frieden hin - die Missachtung von Recht und Gerechtigkeit macht den Frieden unmöglich. Frieden kann nicht auf Macht und Unterdrückung gedeihen und dafür sind nicht zuerst unsere Repräsentanten im Staat verantwortlich, sondern auch ich vor Ort.
Darum lasst uns den Frieden suchen - er muss gesucht werden, denn er ist nicht immer leicht zu finden - und jage ihm nach - denn er ist flüchtig.
Ich wünsche Ihnen und uns, dass wir nicht nur 2019 zu einem Werkzeug des Friedens werden.
Herzlich Ihre Pfarrerin Ann-Kathrin Peters

Glückwunsch?
Bei jedem Jahreswechsel nur - haben Neujahrswünsche Konjunktur.
Schwein, Kleeblatt und der Schornsteinfeger sind die bekannten Glückes-Träger.
Doch mancher grübelt, fragt sich drauf, wie ist das mit des Glückes Lauf?
Das neue Jahr - was wird es Gutes schenken? Vielleicht nur Plagen, Sorgen und Bedenken?
Was darf ich hoffen, wünschen, sag - und wird's dann auch so, wie ich´s mag?

Das Glück, es zeigt sich eher selten, doch wenn, dann lass ich´s meist nicht gelten,
weil nur ein kleines Stück davon erscheint, das "große Glück" war doch gemeint!
Ich nehm's dann einfach mal so hin - nach Dank steht wenig mir der Sinn.
Auch mancher Vorsatz trägt nicht weit, bleibt auf der Strecke mit der Zeit!
O wenn ich doch zu diesem Zweck, mehr Kraft und starken Willen hätt...
Lamentos, Jammern, Klagen nur, haben dann meist Hochkonjunktur.

Ein Glückwunsch - alles für die Katz? Nein: Hier gilt's zu heben einen Schatz!
Wenn andere gute Wünsche senden, so zeigt dies, dass sie an uns denken,
und uns was zutrauen und bestärken - wie übrigens auch Gott, um das noch zu bemerken.
Ich halt´ es hier mit Wilhelm Busch, der dichtet für uns diesen Schluss:

Will das Glück nach seinem Sinn / dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin, / ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt, / doch vor allen Dingen:
das worum du dich bemühst, / möge dir gelingen.

Ein gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen, Markus Müller, Pastoralreferent

Weihnachtsvorbereitung
Wie werden Sie in diesem Jahr das Weihnachtsfest feiern? Werden Sie mit der Familie zusammen sein, oder mit Freunden? Werden Sie das Fest alleine feiern oder gar nicht? Fahren Sie vielleicht weg, um dem Weihnachtsfest zu entgehen? Werden Sie einen Weihnachts-Gottesdienst besuchen? Warum nicht in diesem Jahr das Weihnachtsfest feiern wie damals Maria? Nein, natürlich meine ich damit nicht, wie Maria ein Kind zur Welt zu bringen. Ich meine das, was wenig später von Maria berichtet wird: "Maria nahm alles in sich auf und bewegte das, was sie gehört und erfahren hatte in ihrem Herzen." Maria hörte dem Bericht der Hirten nicht nur zu, sondern prägte sich jedes Wort ein. "Habt keine Angst, denn ich bin hier um euch eine wunderbare Nachricht zu bringen! Große Freude bedeutet sie für alle Menschen. Heute ist für euch der Weltenretter geboren, der Messias, der rechtmäßige Herrscher." Das hatte der Engel Gottes den Hirten auf dem Feld gesagt. Und dann hatte er ihnen das Kennzeichen mitgeteilt an dem sie den Retter der Welt erkennen sollten: "Ihr werdet ein Baby finden, das in Windeln eingewickelt in einem Futtertrog liegt." Passte das zusammen: der Weltenretter als armes Baby im Futtertrog? Maria brauchte über 30 Jahre um zu verstehen, was diese Worte in ihrer Tiefe bedeuteten. Aber zunächst einmal genügte es, sich alles was sie erlebt und gehört hatte einzuprägen und darüber immer wieder nachzudenken. Dabei zog die Weihnachtsfreude in ihr Herz und in ihr Leben ein; auch ohne Geschenke, Festessen und Fernsehen. Warum also nicht wie Maria Weihnachten feiern und die Geschichte in Ruhe Wort für Wort auf sich wirken lassen und darüber nachdenken? (Sie finden die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium Kapitel 2)
Ich wünsche Ihnen eine entspannte und besinnliche Vorbereitung auf das Weihnachtsfest!
Gerd Ziegler, Pfarrer

(un)gerechte Behandlung
Es gibt Weniges, bei dem ich so richtig grätig werde; dazu gehört, wenn ich etwas "in die Schuhe geschoben" kriege. Wenn also irgendjemand irgendetwas mir anlastet, wofür ich gar nicht verantwortlich bin. Wenn mir Beweggründe oder Absichten unterstellt werden, die so überhaupt nicht da sind. Wenn die Schuld für irgendeinen Umstand bei mir gesucht wird, aber eigentlich bei jemand anderem liegt. Dann fühle ich mich ungerecht behandelt, missverstanden, fälschlich getadelt. Und reagiere entsprechend...

Eine Ausnahme mache ich für den Heiligen Nikolaus: Der darf mir jedes Jahr sehr gerne etwas "in die Schuhe schieben". Ich halte das nämlich für einen schönen Brauch, auf diese etwas ungewöhnliche Art und Weise andere Menschen zu beschenken. Obwohl es ja irgendwie auch 'ungerecht' ist, denn der Nikolaus, so wie ich ihn kenne, beschenkt ja alle Schuh-Besitzer gleich, ungeachtet ihrer Leistungen und Verdienste bzw. ihrer Fehler und Versäumnisse...

Gott sei Dank ist das so; wenn hier auch noch das Leistungsprinzip unserer Gesellschaft angewandt würde und man gegebenenfalls "untendurch" sein könnte, was wäre das für ein Verlust. Lassen wir wenigstens den Nikolaus noch die Großherzigkeit und Güte Gottes zeigen, indem er allen etwas "in die Schuhe schieben" darf, und zwar etwas zum Freuen und Genießen! Dann wird anfanghaft spürbar, was der Dichter Jochen Klepper vor 80 Jahren geschrieben hat: "Gott will im Dunkel wohnen / und hat es doch erhellt. / Als wollte er belohnen, / so richtet er die Welt. / Der sich den Erdkreis baute, / der lässt den Sünder nicht. / Wer hier dem Sohn vertraute, / kommt dort aus dem Gericht." (Gotteslob Nr. 220,5)

Überlegen Sie doch mal: Wem könnten Sie in diesem Sinn mal was "in die Schuhe schieben"? Herzlich grüßt Sie
Reinhart Fritz, Pfarrer

Ein kleiner Satz,
den ich in Lima (Peru) entdeckt habe, brachte mich zum Nachdenken. Er hing als Monatsspruch einer katholischen Gemeinde, die ich im Rahmen der Palca-Delegationsreise besuchen durfte, in der dortigen Kirche. Er lautet wie folgt: "El que no vive para servir, no sirve para vivir". Zu Deutsch: "Wer nicht lebt, um zu dienen, der taugt (dient) nicht zum Leben".
Ich fragte mich, was ist mit Dienen gemeint? Ist damit gemeint, möglichst viel für Andere zu tun? Könnte man im ersten meinen. Doch denkt man weiter merkt man, dass sich dahinter Missverständnisse verbergen können: Wer all das tut, was andere von einem wollen, ohne zu überlegen, ob es sinnvoll und gut für die jeweilige Person ist, oder so viel tut, dass er Freunde und Familie oder sich selbst schlecht behandelt, der dient nicht.
Dienen heißt, das zu tun, was einem als Gabe geschenkt ist und dies von ganzem Herzen zu tun. Dann heißt dienen nicht einfach viel zu tun, sondern aus dem, was wir tun, viel zu "machen". Oder mit den Worten der heiligen Mutter Theresa: "Es geht nicht darum, wie viel wir tun, sondern darum, dass wir es mit Liebe tun."
Mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen eine gute und gesegnete Woche
Sebastian Kraft, Gemeindereferent

Ein neuer Himmel und eine neue Erde
In diesen ohnehin düsteren Novembertagen erlebe ich, wie Menschen mit traurigen und dramatischen Mitteilungen leben müssen: eine Diagnose, die den Schlaf raubt. Der Tod eines nahestehenden Menschen. Das Kämpfen gegen die dunkle Jahreszeit. Die Angst vor der Advents- und Weihnachtszeit. Viele Menschen in der Stadt sind erschrocken von dem schrecklichen Unfall am Martinstag in Neuburgweier. Selbst in den Gottesdiensten im November scheint es auf den ersten Blick düster zu sein. Die Texte und Lieder sprechen von Endzeitstimmung. Im Mittelpunkt steht die Vergänglichkeit des Lebens.
Doch die Bibel setzt dieser trüben Stimmung ein anderes Bild entgegen:
Ein neuer Himmel und eine neue Erde! Gott, der mitten unter den Menschen wohnt - in den schönsten Bildern beschreibt die Bibel das Ende der Zeit. Eine Utopie? Schon, doch wer sie glaubt, wird selig. Denn sie hat schon jetzt verändernde Kraft. Die Verheißung dieser neuen Zeit ist wichtig, weil sie uns heute schon ausschauen lässt nach ihr - der Zeit des neuen Himmels und der neuen Erde. Als Christin hoffe ich darauf, dass Gott wahr macht, was er verspricht - auch gegen das Leid und den Tod dieser Tage. Deshalb traue ich mich auf eine Welt zu hoffen, in welcher der Tod seinen Schrecken verloren hat: ohne Leiden und Schmerz. Ohne Trennung und Tränen.
Am Sonntag - dem Ewigkeitssonntag - gedenken wir in unserer evangelischen Gemeinde in Neuburgweier besonderer Weise unserer Verstorbenen des letzten Jahres. Wir hören auf Gottes Wort und auf seine Zusage: der Tod hat nicht das letzte Wort.
Herzliche Einladung!
Ihre Pfarrerin Ann-Kathrin Peters

"Die Visitation" - ein Grund zur Freude und ein Angebot zur Unterstützung!
Heute und am kommenden Samstag besucht uns unser Dekan Hubert Streckert; er "visitiert" unsere Seelsorgeeinheit. Früher konnte eine Visitation für Pfarrer und Gemeinde oft den Charakter einer Überprüfung und Kontrolle haben, und man war sehr bemüht, sich in einem möglichst positiven Licht zu präsentieren. Heutzutage ist die Visitation erfreulicherweise ein wertschätzender pastoraler Besuch, in dessen Verlauf der Dekan durchaus sehen und hören will, wie wir in der Seelsorgeeinheit aufgestellt, wo und in welchen Bereichen wir pastoral engagiert sind, wie wir unsere Arbeit tun, aber auch und vor allem, ob wir für unsere Tätigkeit in irgendeiner Weise Rat und Unterstützung brauchen. Dabei ist der Dekan mit ganz unterschiedlichen Personengruppen der Gemeinde im Gespräch.
Eine Arbeitsgruppe des Pfarrgemeinderates hat ihm zudem den sogenannten "Levi-Bericht" erstellt. Darin wurden einzelne vom Pfarrgemeinderat ausgewählte Bereiche intensiver angeschaut und analysiert. Diese Arbeitsgruppe war sehr fleißig: statt der geforderten 15 Berichte hat sie insgesamt 24 fertiggestellt. Dafür noch einmal ein herzliches Dankeschön!
Dabei sind sowohl Aktivitäten, die gut laufen, wo wir zufrieden sind, aber auch Bereiche, in denen wir uns schwer tun. Am Samstag werden wir 3 ausgewählte Bereiche dem Dekan eigens vorstellen und sind danach gespannt auf seine Rückmeldung.
Diese Rückmeldung ist öffentlich, d.h. neben den Repräsentanten der evangelischen Gemeinde und der Stadt Rheinstetten laden wir ganz herzlich die ganze Gemeinde dazu ein. Herr Dekan Streckert wird um 17.45 Uhr im Saal des Gemeindehauses St. Ulrich seine Einschätzung geben und danach um 18.30 Uhr mit uns in St. Ulrich einen Dankgottesdienst feiern. Dazu - und auch zum anschließenden Empfang im Gemeindehaus - ist die ganze Gemeinde herzlich eingeladen!
Eine freudige und ereignisreiche Woche wünscht Ihnen, Markus Müller, Pastoralreferent

Sankt Martin
Alle Welt kennt diesen Namen. Ein Soldat, der mit dem Schwert seinen einzig ihm verbliebenen Reitermantel durchschneidet und ihn mit einem frierenden Bettler teilt. Hinter dieser Tat ist die Geschichte Martins fast völlig verschwunden.
Martin war gegen den Willen seines Vaters aus Überzeugung Christ geworden. In seiner Militärzeit hatte er wohl im ganzen römischen Reich für den Kaiser Nachrichten zu überbringen. Dabei lernte er die zerrissenen und sehr streitbaren christlichen Strömungen der damaligen Zeit und deren Führer kennen.
Nach dieser Zeit wurde er Einsiedler und Mönch. Junge Menschen zog es zu ihm hin. Er gründete bei Marmoutier eine erste kleine Gemeinschaft. Jahre später wählten ihn die christlichen Einwohner von Tours in Frankreich zu ihrem Bischof, weil er nach ihrer Meinung wie Jesus lebte und so himmlischen Schutz garantierte.
Martin hat auch als Bischof in einer armseligen Hütte neben der Kirche in Tour oder im Bettelkloster gelebt. Er war kein großer Theologe, aber er half in allen sozialen Nöten, war bekannt als einfühlsamer Seelsorger, verteidigte auch gegenüber hohen Beamten und Kaisern von denen bedrohte Familien. Er setzte sich mit den religiösen Strömungen der damaligen Zeit auseinander und stritt mit arianischen Bischöfen um die rechte Lehre. Doch er verwahrte sich dagegen, dass der Kaiser umstrittene Fragen entschied und dann eine Seite verurteilte. Als es doch geschah versuchte er den Kaiser zur Rücknahme der Todesstrafe für gegnerische arianische Bischöfe und Würdenträger zu bewegen.
Martin bildete junge Mönche spirituell und praktisch aus und schickte sie zu zweit oder dritt in Kleinstädte und Dörfer, damit sie dort als Christengemeinschaft lebten und seelsorglich helfend für die Einwohner da waren. Unermüdlich warb er so für den christlichen Glauben, setzte sich für Rechtssicherheit, Unterstützung der Armen und Kriegsverletzten ein und stiftete Frieden und Versöhnung.
Martin war eine charismatische Gestalt eines nüchternen christlichen Glaubens, der sich an Jesus ausrichtet und die Gesellschaft biblisch spirituell und sozial zu durchdringen versuchte. Zum Martinszug der katholischen Kirchengemeinde lade ich Sie gerade mit Kindern gerne ein. Beginn am Samstag, 10.11., um 17:00 Uhr bei der Rupprechtschule in Forchheim.
Shalom, Thomas Eckerle, Pastoralreferent

Am 31.10. ist Reformationstag
Da dieser Tag bei uns in Baden-Württemberg nicht mehr als Feiertag begangen wird (letztes Jahr war eine Ausnahme) ist es vielen Menschen nicht mehr im Bewusstsein: der 31.10. ist der Reformationstag. Aber auch wenn dieser Tag nicht mehr offiziell gefeiert wird, hat er meines Erachtens eine wichtige Botschaft. Reformation heißt Erneuerung und das bedeutet: Die christliche Kirche ist zu allen Zeiten aufgefordert, auf immer neue Weise den Menschen die gute Nachricht weiter zu geben, dass Gott in Jesus Christus in unsere Welt gekommen ist, um uns seine Liebe und sein ewiges Leben zu schenken. Zentraler Auftrag der Kirche muss es darum bleiben, den Glauben an Jesus Christus den Menschen zu vermitteln und sich nicht in allen möglichen anderen Aktivitäten zu verlieren. Daran zu erinnern ist der tiefere Sinn des Reformationstags.
Im evangelischen Kirchenbezirk Karlsruhe Land ist es Tradition, diesen Tag mit einem zentralen Abend-Gottesdienst zu feiern. In diesem Jahr findet dieser in Ettlingen in der Pauluskirche statt (19 Uhr). Übrigens feiern unsere katholischen Glaubensgeschwister am nächsten Tag das Fest Allerheiligen mit einem zentralen Gottesdienst für Rheinstetten in Mörsch (10 Uhr). Auch wenn ich leider nicht weiß, ob Sie diese Ausgabe von "Rheinstetten aktuell" noch vorher erreicht, lade ich Sie herzlich zu diesen Gottesdiensten ein!
Herzlich grüßt Ihr Gerd Ziegler, Pfarrer

Vom loslassen
Wenn man dieser Tage an Alleen und Wäldern vorbei läuft erkennt man unweigerlich,
dass wir Herbst haben. Die Blätter färben sich und werfen ihre Blätter ab.
Ich frage mich manchmal ob dieses loslassen der Bäume indem er die Blätter abwirft nicht auch für uns Bedeutung haben kann. Wir als Menschen halten das Jahr über an vielem fest. An Terminen, Wünschen, Zielen, Aktivitäten und vielem mehr. Das ist gut so, das hält lebendig.
Doch kann und darf es auch bei uns in unserem alltäglichen Leben einen Herbst geben?
Ich meine damit eine Zeit in der wir loslassen, uns Zeit nehmen unsere Kräfte zu sammeln und zu konzentrieren, ähnlich wie das der Laubbaum tut.
Ich meine solch einen Herbst, ein solches Loslassen sollte es immer wieder einmal geben, damit wir Kraft haben für das was wichtig ist, für unser Wachstum, unser menschliches Reifen.
Das Thema loslassen, beschäftigte auch einmal eine Frau namens Marta. Sie nahm, so berichtet es die Bibel, Jesus zu sich auf und hielt ganz daran fest ihm eine gute Gastgeberin zu sein. Doch Ihre Schwester, die eigentlich helfen sollte, hörte nur Jesus zu. Maria, die Schwester, lies also los und konzentrierte ihre Kraft auf das wichtige auf das was ihr zum Wachstum verhalf (nachzulesen im Lukasevangelium, Kapitel 10, Vers 38-42). Das Marta das ärgert, scheint mir nachvollziehbar. Jesu kommentiert dies dann folgendermaßen: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen Aber nur eines ist notwendig.“ (Lukasevangelium Kapitel 10, Vers 41 und 42a).
Was ist für Sie notwendig, was verhilft ihnen zum Wachstum?
Was sind Dinge die Sie loslassen können?
Fragen die Sie liebe Leserinnen und Leser vielleicht die nächsten Tage begleiten können und Ihnen helfen mögen, das zu stärken was Ihnen hilft zu wachsen und zu leben.
Dazu viel Geduld und Kraft, sowie Gottes Segen!
Das wünscht Ihnen,
Ihr Sebastian Kraft, Gemeindereferent

"Woran glaubst denn du?"“
Ich mag ihn einfach, den Karikaturisten Thomas Plaßmann. In seinem Büchlein „Woran glaubst denn du?“ macht er mit spitzer Feder und frechen Bildern „Frag-würdiges“ sichtbar. Da geht es unter der Überschrift: „Institution im Wandel“ - wie im Evangelium des kommenden Sonntags - um das Thema Ehe bzw. Ehescheidung. Ein Priester sitzt mit dem Brautpaar am Tisch und liest gerade jenen denkwürdigen Satz vor: „…bis dass der Tod uns scheidet“ – worauf der Bräutigam neben seiner etwas entgeistert dreinblickenden Braut nur trocken kommentiert: „Ups... auf die Formel: ‚Bis dass die Luft raus ist‘ könnten wir uns verständigen.“
Ehe ohne Verbindlichkeit – geht das? Wird das dem Wesen der Ehe, das ja die Liebe ist, gerecht? Macht dieses waghalsige Versprechen, das Sich-einander-Schenken in eine unbekannte Zukunft nicht gerade die Größe dieses Entschlusses aus? Es braucht wohl diese hingebungsvolle Begeisterung für den anderen, die alles Kalkulieren und Taktieren vergessen lässt. Wie anders dagegen agieren jene Männer, die Jesus mit der Frage nach der Erlaubtheit der Scheidungsurkunde bedrängen. Jesus entlarvt ihren berechnenden Egoismus und ihre Hartherzigkeit: „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Nur wenige Verse später werden ihnen Kinder als Vorbild gegenübergestellt: Sie nehmen ohne Vorbehalt das Reich Gottes als Geschenk an – eben nicht als Aktie, die man beim Kursverfall schnell abstoßen sollte! Sie sind nicht berechnend nur auf ihren Vorteil aus. Menschen wie ihnen gehört das Himmelsreich!
Eine gute vertrauensvolle Woche wünscht Ihnen
Markus Müller, Pastoralreferent

„So nicht!?“
Heute gedenkt die römisch katholische Kirche Vinzenz von Paul, des großen Apostels der Caritas aus Frankreich. Zusammen mit Louise de Marillac setzte er sich ein für Strafgefangene, ausgesetzte Kinder, Alte und Kranke und er distanzierte sich vom theologischen Trost auf das Jenseits. Seine Grunderfahrung war die Begegnung mit Galeerensträflingen und Sklaven. Krankheit, Armut, Verwahrlosung und Unterdrückung waren für ihn ein persönlicher Anruf, sich für die Mitmenschen einzusetzen. Seine Idee war vor Ort Strukturen zu schaffen, die gezielt und nachhaltig die Situation der Benachteiligten verbesserten. Dafür war er in Armenvierteln und bei Angesehenen und Reichen unterwegs.
Doch wie ist es heute? Wir können dankbar und vielleicht manchmal sogar stolz sein auf den noch einigermaßen funktionierenden Sozialstaat. Vinzenz jedoch würde m. E. Fragen stellen: Warum erfahren die ErzieherInnen und PflegerInnen am Anfang und am Ende des menschlichen Lebens bei Euch so wenig Anerkennung? Eigentum und Vermögen haben eine soziale Verantwortung vor Ort und im globalen Dorf sicher weltweit, sagt Ihr das allen? Welche Menschen seht Ihr in Not, die noch keine Hilfe erfahren?
Jede Verbesserung oder Veränderung beginnt mit entsprechender Aufmerksamkeit, daher wünsche ich Ihnen und uns allen für diese Woche offene Augen für alle menschlichen Nöte und den Mut, sie wahrzunehmen mit Gottes Shalom, Thomas Eckerle, Pastoralreferent

Friede auf Erden
Am Freitag werden in ganz Europa die Glocken läuten für den Frieden (siehe unten). Damit wird eine Sehnsucht aufgenommen, die wohl viele von uns in sich tragen: Dass es endlich Friede wird auf der Erde. Mich erinnern dabei zumindest die Glocken, die von den Türmen unserer christlichen Kirchen erklingen werden, an die Friedensbotschaft der Engel an Weihnachten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“ Dabei sehe ich durchaus einen Zusammenhang zwischen den ersten beiden Satzteilen dieses Engelzitats: Wenn wir Gott in der Höhe ehren, zieht bei uns auf der Erde der Friede ein. Wenn wir Gott ernst nehmen und sein Gebot der Gottes- und Nächstenliebe befolgen, breitet sich unter uns sein Friede aus. Dazu ist er ja an Weihnachten in Jesus zu uns gekommen, um uns Frieden zu schenken, Frieden mit ihm, Frieden miteinander, Frieden mit uns selbst. Wenn wir uns von den Worten und dem Vorbild von Jesus Christus bestimmen lassen, werden Liebe und Friede unser Reden und Handeln bestimmen. Im Glauben, in der vertrauensvollen Beziehung zu ihm finden wir die Kraft so zu leben. Ich will mich von den Glocken am Freitag neu dazu animieren lassen so zu leben. Und ich will mir die Zeit nehmen, beim Glockenläuten um Frieden zu beten. Sie auch? Ich wünsche Ihnen eine friedvolle Woche!
Gerd Ziegler, Pfarrer

Wenn ich stehe, dann stehe ich…
In dieser Woche hat für Viele der Alltag wieder angefangen: Für Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte das neue Schuljahr, für Erwachsene, die letzte Woche noch im Urlaub waren, die normalen Abläufe am Arbeitsplatz, in unseren Pfarrgemeinden das Engagement in Gruppen und Kreisen. Ich hoffe, dass alle sich gut erholen konnten und wünsche einen guten, gelingenden Wiedereinstieg!
Wie lässt sich verhindern, dass der „alte Trott“ uns bald wieder gefangen hält? Wie können wir möglichst viel von der erfahrenen Erholung in den Alltag hinüberretten? Eine Spur wäre, nicht mehr so oft in jene Falle zu tappen, die in unseren Tagen immer und überall lauert: Nämlich gar nicht wirklich da zu sein, wo man gerade ist, sondern eigentlich längst schon ganz woanders… Die jungen (und manchmal gar nicht mehr so jungen) Leute, die während fast jeder anderen Tätigkeit ihr Smartphone bedienen, sind nur ein Symptom dafür. Prüfen wir doch mal anhand folgender Geschichte unser eigenes Verhalten im Alltag, und „entschleunigen“ wir diesen durch wirkliches Da-Sein – ich wünsche viel Erfolg und Freude bei der Umsetzung:
Ein in Meditation erfahrener Mann wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gesammelt sein könne. Er sagte: „Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich spreche, dann spreche ich.“ Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten: „Das tun wir doch auch!“ Er aber sagte zu ihnen: „Nein, wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon, wenn ihr steht, dann lauft ihr schon, wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.“ (zitiert nach: Rucksackfibel, Stuttgart 4/1991)
Reinhart Fritz, Pfarrer

Blickwechsel
„Arbeit wohin das Auge reicht“, „Bis obenhin zu sein mit Arbeit“, und weitere –ähnliche- Sprüche gibt es mit Sicherheit zuhauf. Wer viel zu tun hat und hart arbeitet, der weiß, dass es immer Arbeit gibt. Der weiß, dass es schwer sein kann, vor lauter Arbeit alle Termine im Blick zu haben, alles Wichtige zu erkennen. Wer bis obenhin zu ist mit Arbeit sieht nichts außer Arbeit. Das Wichtige, das um einen herum passiert wird übersehen.
Auf Dauer macht diese Haltung kurzsichtig und unachtsam. Es benötigt neben der Arbeit auch die Freizeit und die Erholung. Wer nur Arbeit kennt und sieht, der verpasst das Wesentliche zu entdecken. „Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag“ findet man im Buch Exodus Kapitel 20 (2. Buch Mose) schon geschrieben. Hier als Gebot Gottes für die Israeliten. Ein Gebot, dass in unserer Zeit oft umstritten ist. Dieses Gebot ist, meiner Ansicht nach, sehr sinnig. Eine feste Ruhezeit, eine Erholungszeit braucht es um wieder klar sehen und klar denken zu können. Nur wer ruht und sich erholt, kann den Blick weiten und erkennen, was ihm alles geschenkt ist.
Folgendes Gleichnis, bringt es für mich auf den Punkt:
Wer beim Wandern immer nur auf den Weg herunter schaut auf dem er geht, verpasst das Wegschild und die herrliche Landschaft. Das Wesentliche, der Sinn und Zweck der Unternehmung –nämlich am Ziel ankommen und die Landschaft genießen, geht dabei verloren.
Das bedeutet: Wer nur Arbeit kennt, verkennt seinen eigentlichen Sinn.
Wir leben nicht um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu Leben. Als Menschen sind wir zum Leben gerufen. Als Christen sogar zum guten und ewigen Leben!
Mit diesen Gedanken wünsche ich im Namen der Kirchengemeinden, allen Leserinnen und Lesern eine gute und erholsame Ferienzeit.
Für alle die in Urlaub fahren oder fliegen wünsche ich Gottes Segen für die Reise, gute Erholung, Zeit für das Wesentliche und ein gesundes wieder nach Hause kommen!
Allen die hier bleiben, die privat oder beruflich am Arbeiten sind, wünsche ich die Möglichkeit von guten Erholungszeiten und immer wieder mal den Blick von der Arbeit weg, hin zu anderen, wesentlichen Dingen.
Allen eine gute und gesegnete Zeit!
Ihr Sebastian Kraft, Gemeindereferent

Wie geduldig ist doch Gott mit seinen Menschen
Letzte Woche vor den Sommerferien - nicht nur in den Lehrerzimmern, im Supermarkt und im Kindergarten wirken viele Menschen, auf die ich in diesen Tagen treffe, gestresst und urlaubsreif. Das Wetter, die vielen Termine - beruflich oder privat - zerren an den Nerven. Ich muss da immer wieder an meine Viertklässler und unser Theaterprojekt zum Buch Jona im Alten Testament denken.
Jona ist Prophet. Er bekommt einen Auftrag von Gott: "Geh nach Ninive und sag den Menschen dort, dass sie sich ändern sollen!" Doch Jona will nicht. "Wieso ich?" denkt Jona vielleicht und beschließt der Aufgabe aus dem Weg zu gehen und vor Gott wegzulaufen. Wer die Geschichte kennt, der weiß, dass Jonas Plan nicht aufgeht - Gott findet Jona und schließlich macht Jona doch, was Gott von ihm fordert. Nur dass Gott sich nicht so verhält, wie Jona es für richtig empfindet. Die Menschen in Ninive sind schlecht und Jona ist der Meinung, dass Ninive zerstört werden soll. Gott sieht das anders. Jona klagt Gott deswegen an und schimpft: "Ich hab's mir ja gleich gedacht. Du lässt dich immer wieder überreden: Statt die Stadt zu zerstören verschonst du die Menschen! Das ist so ungerecht!"
Ich überlege mit den Kindern, wie sie Gott in der Geschichte wahrnehmen? Ist Gott ungerecht?
Für die Schüler ist klar: Die Schlussszene ist der Schlüssel. Gott lässt für Jona eine Pflanze wachsen und sie dann verdorren. Wieder ist Jona sauer und schimpft mit Gott: "Wieso schenkst du mir die Pflanze, wenn du sie doch wieder kaputt machst?"
Da sagt Gott zu Jona: "Wie, Jona? Dir tut die Pflanze leid, weil sie verdorrt ist? Aber mit den Menschen in Ninive hast du kein Mitleid? Kannst du zusehen, wie sie sterben? Ich kann das nicht!"
Da schweigt Jona und denkt: "Wie geduldig ist doch Gott mit seinen Menschen und sogar mit mir!"
Und so wünsche ich uns allen, dass wir nicht nur in diesen Wochen mit Geduld aufeinander schauen. Denn nicht nur Jona sondern auch wir sind gemeint: Wie geduldig ist doch Gott mit seinen Menschen! Da können wir doch auch ein bisschen geduldiger mit uns und unseren Mitmenschen sein!

Mit herzlichen Grüßen,
Ihre Pfarrerin Ann-Kathrin Peters

“Und führe uns nicht in Versuchung!?“
Kann und will Gott uns in Versuchung führen? Papst Franziskus verneint dies und hat als Umformulierung „Lass uns nicht in Versuchung geraten“ vorgeschlagen. Zu Recht?
Die Sachlage ist alles andere als eindeutig. Jesu Wort liegt uns naturgemäß nur in übersetzter Form vor und sowohl der griechische wie auch der aramäische Begriff haben sehr unterschiedliche Bedeutungen. „Versuchung“ umfasst da nur einen Aspekt eines schillernden Begriffs, der von „Erprobung“ und „positive Bewährung“, bis hin zur bösen Absicht „jemandem eine Falle zu stellen“ (vgl. Mk 12,13) reichen kann. Ein „Fallen stellender Gott“ widerspricht jedoch Jesu Gottesbild vom liebenden Vater und wohl auch unserem christlichen Verständnis. „Versuchungen“ dagegen gibt es zuhauf inner- und außerhalb von uns Menschen. Was aber ist ihr Ursprung? Wenn wir sie „dem Teufel“ anlasten (durchaus auch bequem und entlastend), dann haben wir eine zweigeteilte Welt: hier Gottes Liebe – dort die Macht des Bösen, die übermächtig erscheint. Wie sieht es dann jedoch mit Gottes Allmacht aus? Und weiter: Wozu dienen „Versuchungen“? Im positivsten Fall der Erprobung und Bewährung – der „Läuterung“! Kann, ja darf Gott mich fordern und prüfen? Die Vaterunser-Bitte könnte dann auch - als Ausdruck von Gottvertrauen - ein Hilferuf um Unterstützung sein, was dem Verständnis von Papst Franziskus sehr nahe käme. Was aber ist dann mit unserem Scheitern? Wenn Gott uns - entgegen unserer Bitte – doch in Versuchung geraten lässt und dadurch mein Scheitern nicht verhindert (oder es gar provoziert weil er „hineinführt“), wäre er dann nicht - zumindest indirekt - Initiator des Negativen? Bleibt noch die Version: „und führe uns IN DER Versuchung!“ Diese entlastet - lässt jedoch die bohrende Frage nach dem Ursprung des Bösen außen vor. Herzliche Einladung zum Weiter-Denken und eine philosophische Woche wünscht Ihnen, Markus Müller, Pastoralreferent

Gott kann alles?
Gottesgläubige Menschen sagen gerne, dass Gott alles kann, allmächtig ist. Auch ich bin überzeugt, dass er in der Liebe mächtig ist. Doch gerade deshalb geht es ihm, wie Jesus, der seine Liebe nur anbieten kann.
In seiner Heimatstadt Nazareth sind die Menschen gespannt, was es mit Jesus auf sich hat. Denn sie haben von ihm gehört, dass er umherzieht und von Gott erzählt. Noch unglaublicher für sie ist, dass er Menschen geheilt und Wundertaten vollbracht habe. Wir können uns vorstellen, dass alles, was laufen kann, in der Synagoge zusammenströmt, um diesen nun berühmten Sohn der Stadt zu sehen und zu hören. Und tatsächlich, sie gerieten außer sich vor Staunen und fragten sich, woher er diese Weisheit habe. Doch sie können ihn nur mit dem Schubladenkasten sehen, den sie von ihm aus der Zeit, in der er bei ihnen lebte, gewonnen haben. Sie nehmen Anstoß an ihm, sie lehnen ihn ab. Deshalb konnte Jesus dort keine Machttat tun, nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie. Nach Markus 6,1-6, das am kommenden Sonntag Thema in den katholischen Gottesdiensten ist.
Jesu – Gottes Macht endet an unserer Freiheit, denn seine Macht ist die Kraft der Liebe. Was die Menschen in Nazareth damals nicht geschafft haben, das wünsche ich Ihnen und mir für die kommende Woche: Ein waches Auge und ein offenes Herz, die über die vielen Schubladen unserer Erfahrungen hinweg wahrnehmen und so mit liebevollem Blick neu sehen und leben können. Wir werden staunen über das, was sich ereignen wird.
Shalom, Thomas Eckerle, Pastoralreferent

Auf „Adlerschwingen“ getragen
Kürzlich konnte ich in Israel in freier Natur mächtige Geier am Himmel kreisen sehen. Mit einer Spannweite von über 2,5m sind das schon sehr imposante Geschöpfe. Wenn sie auch mit ihrem langen kahlen Hals für meinen Geschmack nicht besonders schön aussehen. Von solchen Geiern im Norden Israels wird berichtet, dass sie gelegentlich, wenn ihre Jungen flügge werden diese aus dem Nest werfen, damit sie das Fliegen lernen. Die Geiermutter bleibt dann dicht über dem Jungtier um es, falls es schwächelt und abzustürzen droht, auf ihrem Rücken aufzufangen und ins Nest zurück zu tragen. Von Adlern wurde solch ein Verhalten auch schon in Österreich und in Kalifornien beobachtet.
In der Bibel wird dieses Verhalten der Greifvögel ebenfalls beschrieben und auf Gott gedeutet. Da heißt es z. B. im 5. Mosebuch 32,10: Gott hat sein Volk behütet „wie ein Adler/Geier der sein Nest ausführt und über seinen Jungen schwebt, seine Schwingen ausbreitet, eines von ihnen aufnimmt und es auf seinem Gefieder trägt“. Da in der Bibel in der hebräischen Sprache nur ein Wort sowohl für Adler als auch für Geier verwendet wird, ist nicht ganz sicher, ob hier nun Adler oder Geier gemeint sind. Wahrscheinlicher ist wohl der Geier. Aber egal ab Adler oder Geier: Ich finde das Bild sehr tröstlich, dass Gott über seinen Kindern wacht und, wenn sie abzustürzen drohen, sie auffängt und trägt wie mit „Adlerschwingen“. Gerade in Zeiten, in denen eine schlechte Nachricht die andere ablöst und ich den Eindruck habe, ins Bodenlose zu fallen, ist es gut zu wissen, dass da noch einer ist, der mich auffängt und trägt.
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche geborgen und getragen von Gottes „Adlerschwingen“!
Gerd Ziegler, Pfarrer

Halbzeit
Heute ist Sommersonnenwende, da ist der Tag am längsten und die Nacht am kürzesten. Mit dem meteorologischen Sommerbeginn, der schon am 1. Juni war, und der kalendarischen Jahresmitte am 1. Juli sind wir jetzt tatsächlich mittendrin im Jahr: Halbzeit, sozusagen!
Im Fußball ist die Halbzeit die Gelegenheit für eine Manöverkritik: Was hat gut geklappt in der ersten Spielhälfte, wo waren die Schwächen in der Mannschaft? Gleichzeitig sagt der Trainer die Strategie für die nächsten 45 Minuten an: So gehen wir den Gegner ab jetzt an, dies und jenes ändern wir an der Aufstellung und an der Taktik!
Der Sommerbeginn kann auch für uns eine Gelegenheit sein, auf die erste Jahreshälfte 2018 zurück zu schauen und ein Resümee zu ziehen: Was ist gelungen, sodass ich mich drüber freuen kann? Worüber bin ich traurig, was macht mir Sorgen? Und es wäre eine Möglichkeit, das eine oder andere nachzujustieren und für die zweite Jahreshälfte zu verändern, damit das Blatt sich vielleicht noch wendet. Schließlich wird auch im Fußball das Spiel erst in der zweiten Halbzeit entschieden.
In den Gottesdiensten singen die Katholiken in diesen Tagen wieder ein Lied (Gotteslob Nr. 465), das dabei helfen kann, denn es bittet den „Trainer“ Gott, zur Jahres-Halbzeit mit gutem Rat zur Stelle zu sein:

„Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. /
Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut, /
Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn. /
Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin.

Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht. /
Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht. /
Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichsein /
nimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein.“

Einen schönen Sommer und eine gelingende zweite Jahreshälfte wünscht
Reinhart Fritz, Pfarrer

Bitte warten! Nur noch einen Moment Geduld!
Wer kennt das nicht, das Internet funktioniert nicht oder eine Sendung wurde falsch geliefert. Man versucht dann etwas zu bewirken, ruft die Hotline an und bekommt als erstes zu hören: Bitte warten!
Das geht gar nicht. Warten! Wer hat heutzutage dafür schon Zeit?
Innerhalb von Minuten kann ich bequem und schnell einkaufen, Rechnungen zahlen, Musik hören und vieles mehr. Manches davon sogar zur selben Zeit!
Warten, muss sich heute lohnen! Ob das zurzeit Jesu wohl anders war?
Schauen sie doch mal in das kommende Sonntagsevangelium. Das stammt aus dem Evangelium nach Markus, wer es nachschlagen möchte: es ist das 4. Kapitel, Vers 26-34
Dort erzählt Jesus vom Reich Gottes. Er nutzt dazu das Bild des Sämanns. Dieser sät Korn und muss warten bis es reif ist. Jesus erklärt mit dem Bild, dass das Reich Gottes schon auf der Welt da ist. Und weiter erklärt er, dass es wachsen muss bis es „Erntereif“ bis es „Erfüllt“ ist. Der Sämann kann nichts für das Wachstum der Pflanzen tun, er kann die Umstände (Boden, Bewässerung, Licht) beeinflussen. Aber ob die Pflanze wächst oder nicht, liegt nicht in seiner Macht. So ist es auch mit dem Reich Gottes, mit dem was wir „glauben“ nennen.
In jedem von uns ist ein „Körnchen“ Glaube, ein „Seelenfünklein“ (wie der Mystiker Meister Eckehart es ausdrücken würde), ein Potential gelegt. Was daraus wohl wird?
Der „Sämann“ Gott, überlässt uns die Entscheidung ob wir das was in uns gelegt wurde, was uns geschenkt wurde, wachsen lassen wollen. Er wartet und erwartet unser Reifen, unser erfüllter Werden von dem was er an Glaube in uns gelegt hat. Gott benötigt vermutlich dafür viel Geduld mit uns. Denn oft haben wir nicht das Interesse unseren Glauben wachsen zu lassen, oft warten wir auf „günstigere“ Umstände, oder resignieren weil wir unser „Korn“, unser „Seelenfünklein“ unser Potential nicht erkennen. Doch Gott gibt sich unbeeindruckt. Er vertraut darauf, dass wir reifen, dass wir erfüllter werden.
Vielleicht können wir uns ja etwas von dieser Haltung Gottes, für unser Leben in die kommende Woche retten.
Vielleicht schaffen wir es zu warten, zu vertrauen, dass ein lieber Mensch, ein Bekannter oder gar ein fremder Mensch sein Potential, seine Möglichkeit zum Wachstum nutzt.

Sebastian Kraft, Gemeindereferent

Unser Leben - eine Durchreise
"Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort" - Es zählt wohl zu einem der bekanntesten Volksliedern. Wenn man diese Zeilen eines Reisenden aufs Leben bezieht, ist das so. "Ach wie flüchtig, ach wie nichtig" heißt es im Lied von Michael Franck aus dem Jahr 1652 (EG 528).

Es irrt, wer meint, alles könne immer so bleiben, wie es ist. Das Einzige, was bleibt, ist der Wandel. Auch was Gesundheit und Krankheit betrifft. Gestern noch "dort", im Licht des Alltags, in dem, was wir oft "normal" nennen - und heute schon "hier", in der Klinik, weg vom Vertrauten, in schwierigem Gelände. Das macht, neben allen Hoffnungen, dass es "wieder wird", auch Angst. Vielleicht wird es ja nicht wieder? Wer weiß, was die hier noch herausfinden. Und dann?

In den Liedern heißt es auch: "Manchmal träume ich schwer." Dann ergreifen mich die durchgängig traurigen Zeilen des alten Kirchenliedes, in denen die Vergänglichkeit allen Daseins beschworen wird.
Und dann kommt, in den schweren Träumen, die Frage: "Wozu war das alles gut?" Und auch: "Hab' ich auf das gesetzt, was wirklich wichtig ist?" Na ja - so gesehen, ist Krankheit oft auch eine hilfreiche Unterbrechung. Du bekommst ein Gespür dafür, was wirklich zählt im Leben. Und das sind eigentlich die sogenannten kleinen Dinge. Der Augenblick. All die kostbaren, "kleinen" Momente, die du auf der Durchreise erleben kannst. "Wenn ich wieder gesund werde", höre ich oft bei Besuchen, "dann wird mir das alles viel wichtiger sein als die vermeintlich großen Ziele im Leben. Dann werde ich innehalten und den Moment genießen."
Das wird den Schmerz, dass alles so schnell vergeht, nicht wegwischen, ihm aber eine Perspektive schenken.

Was von uns bleibt, das ist nicht Kleid, Glanz, Ruhm, sondern die Summe der gelebten und geliebten Augenblicke. Das durchaus bedrückende Lied von Michael Franck hat einen überraschend optimistischen Schluss: "Wer Gott fürcht', wird ewig stehen." Also gibt es doch etwas Unvergängliches!? In uns und für uns? Etwas, das bleibt?

Ja, ich glaube, es sind diese Augenblicke, wo wir wirklich da waren, wach, erfüllt von Staunen, dankbar trotz allem. Diese kostbaren Momente, wo das Leben uns ergreift - oder in der Sprache des Glaubens ausgedrückt: Wo wir Gottes Gegenwart spüren.
Ich möchte Sie ermutigen und einladen, diese Augenblicke, manchmal auch nur kurze Augenblicke, schon jetzt ganz wahrzunehmen. Also seien und bleiben Sie wachsam!

Ihre Pfarrerin Ann-Kathrin Peters

Gott befreit – zum „Un-verschämt“ leben!
Im Sonntagsevangelium (Mk 2,23-28) führt Jesus ein Streitgespräch mit den Pharisäern, dessen Brisanz und Tragweite sich uns erst auf den zweiten Blick erschließt. Nicht der Mundraub, das eigentlich harmlose Abreißen der Ähren durch die hungrigen Jünger ist das Problem (das Armenrecht (Dtn 23,26) erlaubt dies sogar ausdrücklich), sondern der Zeitpunkt! Am Sabbat ist jegliche Erntearbeit verboten. Der Sabbat aber ist eines der wichtigsten Zeichen der Erwählung Israels zur Gemeinschaft mit Gott. Seine Entweihung ist deshalb ein Kapitalverbrechen – und darauf steht die Todesstrafe. Diese kann und darf allerdings nur nach erfolgter Verwarnung vor Zeugen vollstreckt werden. Genau das passiert nun: Jesus erhält eine Abmahnung „auf Leben und Tod“. Jesus jedoch lässt sich nicht einschüchtern - er entschuldigt sich keineswegs, sondern verweist zu seiner Rechtfertigung ganz „un-verschämt“ auf David (1 Sam 21.2-10). Vor allem aber stellt er Sinn und Zweck aller Gesetzesregelungen heraus: „Der Sabbat ist (von Gott gemacht) worden wegen des Menschen, nicht der Mensch wegen des Sabbats. Also: Herr ist der Menschensohn auch über den Sabbat.“ Welche Freiheit gegenüber dem Gesetz! Was für ein Mut, sich dem Mainstream gesetzlicher Regelungen entgegenzustellen! Gesetz und Regeln sind für Jesus kein endgültiger Zweck: sie sollen dienen! Ziel des Willens und der Verfügung Gottes bleibt allein das Heil des Menschen, das „Humanum“! Ein Korrektiv, ein bleibender Stachel im Fleisch aller von Menschen gemachten Gesetze in Welt und Kirche! Was dient denn – gerade angesichts der aktuellen innerkirchlichen Fragen - der größeren Menschlichkeit? Menschensohn und -tochter sind aufgefordert, Stellung zu beziehen. Eine in diesem Sinne „un-verschämte“ gute Woche wünscht Ihnen, Markus Müller, Pastoralreferent

Feuer und Flamme für den Glauben
„Was ist an Pfingsten passiert? Warum feiern wir das Pfingstfest?“ Diese Fragen stellte eine Gruppe von Konfirmanden in einer Fußgängerzone den Passanten. Und sie waren überrascht: Nur wenige konnten diese Fragen beantworten. Damit bestätigte sich eine früher Emnid-Umfrage, die ergeben hatte, dass ca. 50% der Deutschen nicht wissen, was Pfingsten bedeutet und warum das Pfingstfest gefeiert wird.
Mit dem Pfingstfest endet die 50-tägige Osterzeit. Die Apostelgeschichte in der Bibel berichtet davon, dass der Auferstandene Jesus Christus 40 Tage lang immer wieder seinen Jüngerinnen und Jüngern erschienen ist. Danach kehrte er zurück in die für uns unsichtbare Wirklichkeit Gottes, die wir „den Himmel“ nennen. (Das haben wir gerade an „Christi Himmelfahrt“ gefeiert.) Zuvor hatte er angekündigt, seinen Jüngerinnen und Jüngern den Heiligen Gottesgeist zu senden, der sie an alles erinnern sollte, was sie von ihm gelernt und mit ihm erlebt hatten.
Und dann geschah es: Am jüdischen Fest Schawout treffen sich die Anhänger von Jesus in einem Haus in Jerusalem. Dann setzt plötzlich ein Brausen vom Himmel ein, gewaltiger Wind erfüllt das Haus. Feuerzungen setzen sich auf ihre Häupter, sie sind erfüllt vom Heiligen Geist und reden in fremden Sprachen. Menschen aus unterschiedlichen Nationen hören sie in ihrer jeweiligen Muttersprache von Gottes großen Taten predigen. Aus einem Häuflein verunsicherter und verängstigter Jüngerinnen und Jünger wird eine Gruppe mutiger Zeuginnen und Verkündiger der Guten Nachricht von Jesus Christus. Der Heilige Geist hat sie begeistert, jetzt sind sie Feuer und Flamme für Jesus und für den Glauben an ihn. Ca. 3000 Menschen schließen sich an diesem Tag den Jesus-Begeisterten an und lassen sich taufen. Das war die Geburtsstunde der christlichen Kirche, das war das erste Pfingstfest.
Aber das war nur der Anfang. Der Verfasser der Apostelgeschichte beschreibt, wie sich die Gute Nachricht von Jesus und mit ihr die christliche Kirche nahezu in die ganze damals bekannte Welt verbreitete. Wo Menschen, diese gute Nachricht auf sich wirken lassen, wirkt der Geist Gottes bis heute. Er schafft in den Menschen den Glauben an Jesus, begeistert sie für ihn und macht sie Feuer und Flamme für diesen Glauben. Darum feiern wir das Pfingstfest bis heute.
In Rheinstetten haben die katholische und evangelische Kirche die schöne Gewohnheit am Pfingstmontag (21. Mai) gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst zu feiern. Er findet in diesem Jahr um 10 Uhr in der Katholischen Kirche St. Ursula in Neuburgweier statt. Wir laden dazu herzlich ein!
Ein frohes und gesegnetes Pfingstfest wünscht Ihnen auch im Namen der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden
Gerd Ziegler, Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde Forchheim

Jesu Vater-Tag
Diesen Donnerstag steigen wieder jede Menge „Vatertagsfeste“ und viele Leute machen „Vatertagsausflüge“, manche leider auch Sauf- und Krakeel-Touren. Die wenigsten werden sich fragen, warum sie dafür mitten in der Woche arbeits- und schulfrei haben (beim Muttertag stellt sich diese Frage nicht, der ist ja immer sonntags). Viele wissen schon gar nicht mehr, dass dieser Tag – auch ganz offiziell laut Kalender – „Christi Himmelfahrt“ heißt und ein hoher christlicher Feiertag ist.
Bei genauem Hinsehen ist der Name „Vatertag“ für den vierzigsten Tag nach Ostern aber gar nicht so falsch, denn es ist eigentlich so etwas wie der Vater-Tag von Jesus: Nach seiner zeitweisen Rückkehr zu den Jüngern war der auferstandene Jesus diesen endgültig entzogen worden, war – im Bild gesprochen – in den Himmel aufgefahren. Ganz so, wie er es kurz nach seiner Auferstehung schon angekündigt hatte: „Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Johannesevangelium 20,17).
Damit schließt sich ein Kreis: Jesus, der von Gott auf die Erde geschickt worden war, um die Menschen zu retten, kehrt nach getaner Arbeit wieder zu seinem Auftraggeber zurück, und sitzt fortan – wie die Christen im apostolischen Glaubensbekenntnis beten – „zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“.
Aus den Augen, aus dem Sinn? Nicht unbedingt, denn zum Weggehen Jesu, wie die Jünger es damals erlebt haben, gehört eine neue Art der Gegenwart Jesu, wie sie Christen seit ca. 2000 Jahren immer wieder erleben, weil Jesu Zusage stimmt: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Matthäusevangelium 28,20).
Reinhart Fritz, Pfarrer

Liebe!
Jeder braucht sie, jeder mag sie, jeder kann sie verschenken. Gemeint ist die Liebe.
Liebe betrifft alle: Die verliebten Pärchen am Ufer, Kinder und Ihre Eltern, Ehepartner, Geschiedene, Singles und auch jene, die traurig und alleine zurückbleiben.
Liebe ist nicht nur ein Wort. Liebe ist vielmehr als ein Gefühl. Liebe ist eine Entscheidung. Eine die nicht immer einfach ist und uns immer wieder herausfordert.
Im ersten Johannesbrief, man kann ihn kommenden Sonntag in den katholischen Gottesdiensten hören, wird folgendes über die Liebe festgehalten:
„Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt…“ (1 Joh 4,8)
Für viele ist das unbegreiflich. Liebe ist etwas das man fühlt. Das wäre eine Sichtweise. Eine andere scheint mir wahrscheinlicher: Liebe ist ein Gefühl, eine Entscheidung und eine Handlung.
Gott macht das deutlich: Er liebt uns. Darum lässt er uns die Freiheit zu entscheiden. Er liebt uns darum spricht er immer wieder zu uns, lässt sich erahnen. Er liebt uns, deshalb ist er Mensch geworden - mit allen Konsequenzen. Er liebt uns, deshalb hat er immer wieder Menschen Mut gemacht, ihnen vergeben und ist in letzter Konsequenz auch gestorben. Er liebt uns, deshalb ist er auferstanden vom Tod mit seinen Wundmalen. Um unser Leben, sowie unsere Entscheidungen und unser Leiden zu respektieren.
Darin zeigte er unübertroffen: Liebe endet nicht mit dem Tod.
Im Tod ist seine große Liebe ganz da für mich, wenn ich das will. Was bedeutet das für uns?
Egal wie ich mein Leben lebe, er liebt mich.
Und: Egal wie ich mein Leben lebe –ob alleine oder zu zweit- ich kann lieben.
Mehr noch, ich soll lieben!
Ich soll andere spüren lassen wie sehr ich geliebt bin. Wie das genau geht?
Ganz einfach: Füreinander da sein wenn es eng wird, Verständnis zeigen, schlechte Angewohnheiten ändern, Versöhnung riskieren,…
Naja, ganz einfach ist das mit der Liebe nicht. Es braucht Mut, Geduld und wird nicht immer gelingen. Doch Liebe kann alles verändern, manchmal sogar das Leben selbst.
Also mitmachen lohnt sich!
Sebastian Kraft, Gemeindereferent

Der „Gute Hirte“ – eben nicht der „bezahlte Knecht“
Am nächsten Sonntag geht’s in den katholischen Gottesdiensten anhand des 10. Kapitels aus dem Johannesevangelium wieder mal um „Schafe“ – Ach!
Aber: Bevor wir nun abschalten wollen (nach dem Motto: „Das kenn ich doch längst... und ein (dummes) Schaf will ich ohnehin nicht sein...“) lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen und zuzuhören, denn Jesus sagt dort Erstaunliches: „Ich bin der gute Hirt, der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe! Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.“ Jesus ist offenbar als Hirte ein „Überzeugungstäter“. Er macht nicht einfach einen Job, sondern ihm geht es um jedes einzelne seiner „Schafe“ – und dafür ist er bereit, alles zu geben, sogar sein Leben! Dass aber Schafe in Wirklichkeit alles andere als doof sind, hat sich inzwischen wohl herumgesprochen – eine ihrer großen Fähigkeiten ist es, den „wahren“ Hirten als solchen zu erkennen. Wie aber steht es mit meiner „Erkenntnis“? Wer ist Jesus für mich? Und noch etwas ist bemerkenswert: Jesus sagt: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur noch eine Herde geben und einen Hirten.“ Ja wie? - Er sammelt auch Schafe aus einem anderen Stall? Undenkbar!, wo wir doch die „allein seligmachende Kirche“ sind...? Jesus weitet schon damals den Horizont über das „auserwählte“ Volk hinaus – ein großer Ökumeniker offenbar – wie wir?
Eine gute Woche wünscht Ihnen - Markus Müller, Pastoralreferent

Nach der Erstkommunion… für alle Menschen
Liebe Kinder, Ihr habt erfahren, denke ich, dass Ihr in der Vorbereitung gut zusammengekommen seid und auch schöne Stunden gemeinsam erlebt habt. Und dabei seid Ihr aus so unterschiedlichen Familien, Freundschaften und verschiedensten Lebensvorstellungen gekommen. Das ist sehr wichtig, denn Kirche oder Gemeinde ist kein Verein von denen, die eine gleiche Wertvorstellung vertreten, auch kein Interessenverband von denen, die sich um die Verbreitung einer Weltanschauung bemühen. Kirche ist Einheit, in der Gegensätze versöhnt sind, weil sie eine Mitte hat, Jesus Christus. So soll in der Kirche die Einheit aller Menschen, die erst noch kommen wird, erfahren werden können. Es ist die Hoffnung, dass die Liebe, die von Jesus gelebt wurde und die von ihm ausgeht, alle Menschen ergreift. Dafür seid Ihr Kinder und alle, die diese einende Botschaft der Liebe gut für uns Menschen empfinden, als Boten gesandt.
Allen wünsche ich, dass sie in dieser Woche erfahren dürfen, dass sie in dieser Liebe getragen sind und dass sie andere in dieser Liebe tragen können. Shalom, Thomas Eckerle, Pastoralreferent

„Wie Neugeborene“
Der kommende Sonntag trägt im liturgischen Kalender der evangelischen Kirche den eigenartigen Namen „Quasimodogeniti“. Das heißt auf Deutsch „wie Neugeborene“ und ist der Anfang eines Zitats aus dem 1. Petrusbrief 2,2: „Verlangt wie neugeborene Kinder, nach der unverfälschten geistigen Milch“. „Wie neugeborene Kinder“ dürfen sich die Glaubenden nach Ostern fühlen. Die Passionszeit, die Zeit der Leiden, der Angst und der Trauer ist vorbei. Jetzt ist Freude und Hoffnung angesagt! Gott hat mit Ostern einen Neuanfang gesetzt. Durch die Auferstehung von Jesus ist der Tod überwunden und seiner Endgültigkeit beraubt. Mit seiner Auferstehung hat Gottes neue, ewige Schöpfung begonnen. Durch die Taufe und den Glauben an ihn gehören wir dazu. Seit Ostern haben wir darum die begründete Hoffnung, dass dieses Leben nicht alles ist, dass Gott für uns auch nach dem Tod eine Zukunft bereithält. Wir können aufatmen, aufleben, uns wie Neugeborene fühlen: „Quasimodogeniti“ eben.
In der katholischen Kirche wird dieser Sonntag als „Weißer Sonntag“ gefeiert. An diesem Sonntag feiern die Kinder ihre Erstkommunion. So auch hier in Forchheim. Die Kinder aus Neuburgweier und Mörsch sind dann eine bzw. zwei Wochen später dran. Wir wünschen allen Kindern, die die Erstkommunion feiern, mit ihren Angehörigen einen gesegneten Gottesdienst und ein frohes Fest!
Ihnen allen wünsche ich eine gute Woche!
Gerd Ziegler, Pfarrer.

Ostern als Nagelprobe
Mehr noch als das Weihnachtsfest ist Ostern eine wahre Nagelprobe für uns Menschen, vor allem für unseren Glauben. Das höchste Fest der Christenheit zwingt uns nämlich zur Auseinandersetzung mit dem angespannten Verhältnis zwischen Leben und Tod, und zu einer Positionierung dazu. Bin ich der Überzeugung, dass mit dem Tod eben „alles aus“ ist, oder hege ich eine Hoffnung auf ein irgendwie geartetes „Danach“? Und: Braucht es wirklich das Kreuz für die Osterfreude?
Alle Christen, die ihren Glauben ernst nehmen, mogeln sich nicht am Kreuz vorbei in die Osterfreude hinein; sie begehen auch den Karfreitag und lassen sich daran erinnern, dass Jesus ans Kreuz genagelt wurde wie ein Verbrecher – zu unserer Rettung, wohlgemerkt! Dabei lassen sie sich aber zusagen, dass Gott auf diese Weise den Tod überwunden und – um auf das Foto Bezug zu nehmen – das Kreuz sozusagen „an den Nagel gehängt“ hat. In seinem Sohn Jesus hat er alles für die Welt und die Menschen gegeben, nicht einfach nur peanuts, sondern sein Wertvollstes; und Jesus hat die vielen Kreuze unseres Lebens mit ans Kreuz genommen und dadurch „an den Nagel gehängt“: Das Kreuz unserer Gebrechlichkeiten und Krankheiten; das Kreuz unserer Schuld und unseres Versagens; das Kreuz der Gewalt, des Terrors und des Krieges; das Kreuz eigener Unzulänglichkeit und Ohnmacht; das Kreuz der Hoffnungslosigkeit und der Angst…
Einfach verschwinden werden all diese Kreuze nicht, das wissen wir nur zu gut. Aber sie verändern sich in ihrer Relevanz, wenn sie erst einmal – sozusagen wie Jesus selbst – von Gott „an den Nagel gehängt“ wurden: Weil für Jesus das Kreuz auf Golgatha nicht die Endstation war, da Gott ihn durch den Tod hindurch in ein neues Leben gerettet hat, dürfen auch wir die begründete Hoffnung haben, dass wir durch alle unsere Kreuze hindurch gerettet werden, dass letztendlich das Leben siegt! Damit trifft Gott den Nagel auf den Kopf, was unsere tiefste Sehnsucht nach Heil und Leben angeht, weil tatsächlich gilt, was Lothar Zenetti in einem Osterlied-Text schreibt: „Seht, das Grab ist nicht mehr Grab; / tot ist nicht mehr tot; / Ende ist nicht Ende mehr; / nichts ist, wie es war. / Halleluja!“ (Gotteslob Nr. 800)

Frohe und gesegnete Ostertage wünscht Ihnen, auch im Namen der evangelischen Kirchengemeinde, Ihr

Reinhart Fritz, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Rheinstetten

Irgendwas das bleibt.
Eigentlich jeder wünscht sich von Zeit zu Zeit im Leben irgendwas das bleibt, etwas das Bestand hat, das für einen der Fels in der Brandung ist.
Dieses „Irgendwas“ zu finden ist schwer, ein Blick in unser eigenes Leben zeigt: Wenig ist was wirklich Bestand hat, wenn es hart auf hart kommt.
Was, oder Wer, bleibt am Ende?
Eine Frage, die zeitlos aktuell ist. Daher wundert es nicht, dass auch Jesus diese Frage als Mensch erfahren hat. Der „Hype“ um Jesus als er einzieht in Jerusalem, vergeht schnell und kippt zu den Worten „kreuzigt Ihn“. Die engsten Freunde, verschlafen wichtige Augenblicke, einer verleugnet Ihn und wieder ein anderer verrät Ihn sogar. Was bleibt Jesus? Manch einer würde vorschnell sagen: Jesus hat jetzt nur noch sich. Doch das ist so nicht richtig. In seinen schwierigsten Momenten, sei es am Ölberg kurz vor der Verhaftung oder kurz vor seinem Tod, betet Jesus zu seinem Vater. Jesus vertraut Gott ganz, nicht naiv, nicht ohne hadern sondern entschieden. Was oder Wer bleibt mir?
Gottes Angebot steht und bleibt. Wenn wir möchten ist Er der, der mitgeht, mit leidet, mit dabei ist, in schweren Momenten und im Tod. Das macht glauben nicht einfach. Denn glauben lebt vom Suchen und nicht vom Haben. Vielleicht können wir so mutig sein und sagen Gott ist der, der bleibt, ich werde Ihn immer wieder suchen.
So wünsche ich Ihnen schon heute einen guten Start in die feierlichen Kartage.
Ihr
Sebastian Kraft, Gemeindereferent

Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal..
In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben 50 Kinder in unserem Gemeindezentrum in Mörsch übernachtet. Im Zentrum unserer Kinderbibelnacht stand Psalm 23: "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln..." In beeindruckender Weise setzen sich die Kinder mit ihm auseinander. Es wurde gemalt, gebastelt und vor allem überlegt, was diese alten Worte, die dem Hirtenjunge und späteren König David zugeschrieben werden, bedeuten. Eine Schülerin schrieb: "Auch wenn ich Gott nicht sehe, weiß ich, dass er immer bei mir ist. Ich brauche keine Angst zu haben." Ein anderes Mädchen übersetzte den für uns heute doch etwas sperrigen Vers "du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein." wie folgt: "Gott wendet sich mir zu. Ich bin ihm wertvoll."
Mir hat die Begegnung mit den Kindern wieder einmal deutlich gemacht: Gottes gutes Wort - das Wort der Bibel - hat mit mir zu tun. In der Gemeinschaft mit anderen wird es auch für mich lebendig.
Die Wochen vor Ostern laden in besonderer Weise dazu ein, in sich zu gehen und zu überlegen was die Geschichte von Jesus mit mir zu tun hat. Was bedeutet sein Leiden, Sterben und seine Auferstehung für mich?
Lesen Sie doch einmal Psalm 23. Vielleicht spricht auch Sie ein Vers besonders an. Wenn Sie wollen können Sie sich dabei von Bildern der Kinder inspirieren lassen, die Sie auf unserer Homepage finden.
Ich wünsche Ihnen gesegnete Tage und das Vertrauen des Psalmbeters, der schreibt: "Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar."
Es grüßt Sie herzlich, Ihre Pfarrerin Ann-Kathrin Peters

„DU DARFST!“ – das Fasten auf den Kopf gestellt
Es steht bei manchen Menschen in schlechtem Ansehen, unser Fasten. Die sehen nur den „Verzicht“ und können dem allenfalls unter dem Aspekt dadurch „ein paar Pfunde zu verlieren“ einen Sinn abgewinnen. Andere verstehen es als Ausdruck von strenger „Selbstdisziplin“ und als Beweis von Stärke. Bei Klara und Franz von Assisi dagegen habe ich (nach Helmut Schlegel ofm) ein überraschend anderes und mich sehr ansprechendes Verständnis des Fastens gefunden: DIE 10 ERLAUBNISSE: „DU DARFST“!
NICHTS TUN ... leere Hände machen frei
QUER DENKEN ...lies das Evangelium - du findest nichts anderes als Quergedanken
SCHWACH SEIN ...Friede beginnt, wenn du aufhörst, stärker sein zu wollen
DICH RISKIEREN ...ein Sprung ins kalte Wasser ist meist sehr belebend
GENIESSEN ..schmecke und koste die Gaben der Schöpfung – ganz ohne Gier
STILL SEIN ... die Schwäche, keine Antwort zu haben, ist in Wahrheit Stärke
GEFÜHLE ZEIGEN ... vertrauen kann dir, wer spürt, was du fühlst
DICH AUSHALTEN ... auch deine Schmerzen und Brüche machen dich schön
LACHEN ... nicht einmal der Tod ist todernst
AUFSTEHEN ... weil ER auf(er)stand, bist du erlöst
Ein gewiss ganz ungewohntes Fasten... eine gute Vorbereitung auf Ostern? Probieren Sie´s aus! Eine weiterhin gesegnete Fastenzeit wünscht Ihnen: Markus Müller, Pastoralreferent

Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.
Im Johannesevangelium geht es schon im 2. Kapitel um die richtige Gottesverehrung im Tempel. Es gibt Streit und Jesus will den Tempel mit einer Geißel von Händlern und Geldwechslern reinigen. Als in Frage gestellt wird, dass er das tun darf, setzt Jesus den Tempel aus Stein in Bezug zum „Tempel seines Leibes“: Er wird sterben und nach drei Tagen auferstehen. Seine Jünger werden dieses Wort erst nach Jesu Auferstehung erinnern.
Paulus überträgt diese Botschaft auf die Gläubigen in Korinth und bestärkt sie: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist?“ (1Kor6,20 ) In diese Reihe können auch wir uns stellen: Der Leib eines jeden von uns – ein Tempel Gottes. Eine große Ehre, aber auch ein hoher Anspruch. Daher ist es nötig, diesen Tempel regelmäßig einer sorgfältigen Reinigung zu unterziehen. Die Empfehlungen Jesu dazu haben wir an Aschermittwoch gehört: Fasten, Beten und Almosen geben. Was gäbe es dann zu tun, damit der Tempel unseres Leibes wieder in Ordnung käme?
Fasten heißt verzichten. Welcher Ballast steht herum, welche mediale Zerstreuung lenkt meine Aufmerksamkeit ab vom Wesentlichen? Ich kann mich von Verstopfungen lösen und freier werden.
Frei zu werden besonders zum Beten, zum Gespräch mit Gott. Wer oder was verstellt mir den Weg nach innen? Was hüte ich im inneren meines Herzens? Welche Bilder fallen mir ein? Welche Erfahrungen tragen mich, wenn ich ganz bei mir bin?
Was hindert mich daran, Menschen und ihre Nöte wahrzunehmen, wo habe ich den Impuls, etwas zu tun? Wo könnte ich mit anderen teilen – altertümlich ausgedrückt: Wo möchte ich Almosen geben?
Unter Gottes Shalom stehe diese Woche mit diesen oder Ihren eigenen Fragen
Thomas Eckerle, Pastoralreferent

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Gottes Wort – der Hammer!
„Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?“ So wird im Buch des Propheten Jeremia, Kapitel 23, Vers 29 die Kraft und Dynamik beschrieben, die in Gottes Wort steckt. Es hat die Kraft, Menschen zu verändern, die sich von diesem Wort beeinflussen lassen. Es bewirkt Versöhnung und Frieden mit Gott, mit unseren Mitmenschen, mit uns selbst. Mahatma Gandhi hat von diesem Wort gesagt: „Ihr Christen habt in euer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die Welt auf den Kopf zu stellen, dieser kriegszerissenen Welt Frieden zu bringen. Aber ihr geht damit um, als ob es bloß ein Stück guter Literatur ist, sonst weiter nichts.“
Ich halte die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern für eine gute Gelegenheit, einmal bewusst auf Zeit mit anderen Medien wie Fernsehen und Internet zu verzichten und sich dafür intensiv mit Gottes Wort in der Bibel zu befassen. Warum nicht mal ein ganzes Evangelium durchlesen? Vielleicht schaffen Sie ja in den Wochen bis Ostern auch das ganze Neue Testament?!
Ich wünsche Ihnen jedenfalls gute Erfahrungen mit der Hammer-Kraft, die in der Bibel steckt!
Gerd Ziegler, Pfarrer

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Verloren? – Erlöst!
„Am Aschermittwoch bin ich verloren…“, singt Margit Sponheimer, „…denn Rosenmontagskinder müssen närrisch sein.“ Tatsächlich kommt sich mancher am Aschermittwoch recht verloren vor, der über die Faschingstage ausgelassen gefeiert und die Welt närrisch auf’s Korn genommen hat. Plötzlich ist da so ein seltsamer Ernst und eine Stille, die herausfordert.
Die katholische Kirche mutet den Gläubigen am Aschermittwoch zu, sich ihrer Verlorenheit zu stellen, also anzuerkennen, dass sie erlösungsbedürftig sind: Die Welt ist tatsächlich nicht so lustig, wie wir das an Fasching lauthals gefeiert haben, und jede/r hat seinen/ihren Anteil daran. Als Zeichen dafür wird mit geweihter Asche ein Kreuz auf die Stirn gemacht. Im alten Testament war es ein übliches Zeichen für die Bereitschaft zur Umkehr und Buße, ein Bußgewand („Sack“) anzuziehen und sich in die Asche zu setzen (vgl. Jona 3,6).
Gleichzeitig beginnt die Kirche die Österliche Bußzeit, auch „Fastenzeit“ genannt. Beim Fasten steht allerdings weniger der Verzicht an sich im Mittelpunkt oder gar das körperliche Abnehmen, sondern das Freiwerden für das Gute und Schöne. Im Tagesgebet des Aschermittwochsgottesdienstes heißt es: „Getreuer Gott, im Vertrauen auf dich beginnen wir die vierzig Tage der Umkehr und Buße. Gib uns die Kraft zu christlicher Zucht, damit wir dem Bösen absagen und mit Entschiedenheit das Gute tun.“ Das Ganze hat einen Zweck: Ich stelle mich meiner Verlorenheit mutig, um an Ostern umso deutlicher die Erlösung durch Christus erleben zu können.
Ich wünsche uns eine gute und aufbauende Österliche Bußzeit!
Reinhart Fritz, Pfarrer

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Das sollten Sie im Auge behalten!
Wenn man mich fragen würde, was am 2. Februar in meinem Kalender stand, würde ich sagen: Auf den ersten Blick ein, zwei Termine, da war nichts Besonderes. Wer im liturgischen Kalender blättert würde eine kleine Besonderheit, nämlich den Eintrag „Darstellung des Herrn“, früher besser bekannt unter „Mariä Lichtmess“ finden. Soweit vielleicht noch nichts Besonderes. Besonders jedoch ist der biblische Text an diesem Tag gewesen. Er berichtet davon, wie Maria und ihr Mann gemäß der jüdischen Tradition zum ersten Mal mit Ihrem Sohn Jesus in den Tempel gingen.

Dort begegnete Ihnen der greise Simeon; dieser sollte erst sterben, wenn er das sieht, was die ganze Welt heilen wird. Als er Jesus sah, erkannte er in Ihm genau das!

Er hatte den richtigen Blick für das, was gut tut und Heilung bringt.

Seine Augen haben das gesehen, was alle heilen wird und allen gut tun wird. Dennoch hatte er auch im Blick, wie Teile dieser Welt, die noch nicht gut und heil sind, darauf reagieren würden. Dies sagte er auch Maria und Josef. Diesen Blick des Simeon finde ich interessant: Er hat das Gute im Blick, er entdeckt, was heil macht, und erkennt auch die Herausforderungen. Vielleicht ist das ein Blick, der auch uns gut tut? Nicht das Schlechte im Blick haben, sondern das Gute. Nicht nur Mängel erkennen, sondern das fokussieren, was gut tut und heilt in den Grenzen meines persönlichen Lebens.

Das ist nicht einfach, vielleicht auch nicht immer möglich; dennoch halte ich diesen Blick, besser: diese Haltung für etwas, das man im Auge behalten sollte. Ich lade Sie ein, diesen Blick immer mal wieder in kleinen Entscheidungen auszuprobieren. Vielleicht schenkt er Ihnen wie Simeon Frieden und Begeisterung, beides wünsche ich Ihnen auf alle Fälle!

Ihr

Sebastian Kraft, Gemeindereferent
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Kann ich Sie segnen?

Wäre es ein Mensch und nicht eine Maschine gewesen, so wäre ich sicher nicht so überrascht gewesen. „Möchten Sie von einer weiblichen oder einer männlichen Stimme gesegnet werden?“, fragte mich der Segensroboter während meines Besuchs der Weltausstellung zum Reformationsjubiläum in Wittenberg. Das sollte provozieren – gerade uns Theologen. Kann ein Roboter segnen? Gar besser als wir? Was unterscheidet Mensch und Maschine?

Mein Urteil stand eigentlich fest: „Natürlich geht das nicht!“ Ich war fest überzeugt, dass nur Menschen richtig segnen können. Nach meinem Experiment mit dem Roboter fiel mein Urteil jedoch nicht mehr so klar aus. Mir fehlte zwar die Berührung – und doch fühlte ich mich persönlich angesprochen.

Für mich hat das klar gemacht: Damit Gottes Zusage beim Segnen spürbar wird, kommt es nicht darauf an, wer den Segen spricht, sondern dass ich mich von Gottes Wort berühren lasse. Vielleicht hilft diese Erkenntnis selbst einmal einem anderen den Segen Gottes zuzusprechen - und sich segnen zu lassen?! Wenn es selbst ein Roboter kann...

Ihre Pfarrerin Ann-Kathrin Peters

Hier schreiben die katholischen und evangelischen Seelsorgerinnen und Seelsorger in Rheinstetten wöchentlich im Wechsel.
Das Bild zeigt v.l.n.r.: Pfarrer Gerd Ziegler, Pastoralreferent Markus Müller, Pfarrerin Ann-Kathrin Peters, Gemeindereferent Sebastian Kraft, Pfarrer Reinhart Fritz und Pastoralreferent Thomas Eckerle.
Das Wort für die Woche finden Sie auch in Rheinstetten Aktuell.